01.03.2001
Herausgeber: netzeitung.de
Dem Internet kann kaum noch jemand entkommen. Also müssen Süchtige lernen, sinnvoll mit den Angeboten umzugehen. Thema: Surfoholics Abhängig sind «nur» drei Prozent Fallbeispiel: Eine 43-jährige Hausfrau Warum die Studieder Humboldt-Uni die Bessere ist
BERLIN. Beim Internet hilft kein Entzug. Anders als Alkoholiker können Surfoholics dem Internet nur noch schwer aus dem Weg gehen. Ein Totalentzug wäre unsinnig, denn aus vielen Lebens- und Arbeitsbereichen ist das Internet nicht mehr zu entfernen. Und so finden Süchtige erste Hilfe auch im für sie so gefährlichen Raum: im Netz selbst.
SelbsthilfegruppenUnter www.online-sucht.de gibt es eine Selbsthilfegruppe zum Thema. Hier kann man einen Test machen (Bin ich online-süchtig?), bekommt Geständnisse, Tipps von Betroffenen und Hinweise auf professionelle Therapien.
Ziel ist es, dass die Nutzer einen vernünftigen, gemäßigten Umgang mit dem Netz lernen. Ganz verzichten soll auf das Surfen niemand.
AussteigerIm Gästebuch schreibt eine Besucherin: «Also, ich bin süchtig, denke aber, dass ich´s mittlerweile gut im Griff hab. Meine letzte Rechnung belief sich auf 4,95 :-). Was mir aber nun zu schaffen macht, ist, dass meine beste Freundin auch süchtig ist und ich weiß, daß ich nichts tun kann, außer abzuwarten, und da zu sein, wenn sie mich braucht. Das schlimmste an ihrer Sucht ist, dass sie ihre beiden kinder von 7 und 10 Jahren vernachlässigt. Ich hoffe, dass sie bald wieder auf den Boden kommt, und den vernünftigen Umgang mit dem Internet lernt. Ich werde ihr auf jeden Fall dabei helfen, wenn sie das will...»
Die Folgen der Sucht sind nicht harmlos: Schlafentzug, Verlust von Arbeitsplatz und Familienleben, Schulden.
Eine Brücke zum realen Leben versucht die Selbshilfegruppe «Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige» zu bauen. Die Kontaktaufnahme erfolgt über das Netz, doch dann folgen regelmäßige Gruppentreffen, zum Teil mit ärztlicher Betreuung. Die Gruppe organisiert auch Unternehmungen, für die man keinen Computer braucht.
Therapeutisches KletternEbenfalls im Internet gibt es einen Wegweiser zu einzigen Ambulanz für Online-Süchtige in Deutschland. In München kümmert sich an der Psychatrischen Universitätsklinik ein Team um akute Fälle.
Gegen die Online-Sucht soll unter anderem «Therapeutisches Klettern» helfen «outdoor». Bei schweren Depressionen oder gar Selbstmordgedanken empfiehlt die Seite auf jeden Fall die Kontaktaufnahme mit einem realen Arzt.
Auch hier ist Kontaktaufnahme per E-Mail möglich aber Ratsuchende können auch einen Termin vereinbaren und sich in der realen Welt mit realen Menschen treffen.