Doch die Instrumente all dieser Studien hielten wissenschaftlichen Kriterien nicht stand, sagt der Professor. Dagegen sei der eigene Fragebogen mit allerhand statistischen Methoden getestet worden: es wurde untersucht, ob die Fragen zuverlässig das messen, was sie messen sollen; ob sie trennscharf sind - also auch verschiedene Aspekte betrachten und einiges mehr. Nicht im Internet geworben Außerdem sei großer Aufwand betrieben worden, um eine repräsentative Stichprobe zu bekommen. Nicht nur Menschen, die das Internet ohnehin nutzen, wurden angesprochen. Über Radio, Zeitungen und Flyer habe man auch Probanden geworben, die nur selten surfen. Die Fragebögen der Sucht-Studie mussten dann aber im Internet ausgefüllt werden. Ziel war, keine «hochselegierte Stichprobe» zu bekommen. Denn wenn man nur Menschen befragt, die sowieso dauernd surfen, werden wahrscheinlich mehr Abhängige dabei sein, als bei «normalen» Nutzern. Insgesamt hätten sich 14.000 Interessierte gemeldet, rund 9.000 seien in die Untersuchung aufgenommen worden. «Das war eine repräsentative Stichprobe», sagt Jerusalem. Vorsichtige Interpretation Vier Untersuchungen haben er und seine Mitarbeiter mit Hilfe von Freiwilligen bereits abgeschlossen, die fünfte, eine Längsschnitt-Studie soll bald beginnen. Trotzdem bleibt Jerusalem bei der Interpretation der Ergebnisse zurückhaltend. Er spricht immer nur von Korrelationen: Es gebe zwar einen statistischen Zusammenhang zwischen sozialem Verhalten und der Internetsucht. Allerdings sagt die Studie nichts darüber aus, ob jemand, weil er depressiv ist internetsüchtig wird oder vielleicht umgekehrt: Er wird depressiv, weil er zu viel im Netz hängt.
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