06.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Auf der Suche nach anderen Planeten: Kepler
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Schon die alten Griechen fragten sich, ob unsere Welt die einzige im All ist. Das Nasa-Teleskop Kepler soll hefen diese Frage zu klären und sucht mit einem Trick nach fremden Planeten.
Die Frage ist so alt wie die Astronomie: Gibt es in den unendlichen Weiten des Universums so etwas wie eine «zweite Erde» - ein Himmelskörper mit Leben, hoch entwickeltem Leben gar? Bislang sind die Forscher zwar nicht fündig geworden, doch nun gehen die Amerikaner die Frage mit neuem Elan an.
In der Nacht zum Samstag startet das Mega-Teleskop «Kepler» vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus ins All, um jenseits unseres Sonnensystems das «Tor zu neuen Welten» aufzustoßen. Experten sind sich zwar unsicher, ob ein «Erd-Zwilling» existiert - doch die Chancen, endlich Klarheit zu finden, waren noch niemals so groß wie jetzt.
«Unsere Mission ist der erste Schritt in Richtung einer Antwort auf die Frage, die sich bereits die alten Griechen stellten», beschreibt die US-Weltraumbehörde Nasa das Unternehmen, «gibt es andere Welten als unsere - oder sind wir allein?»
Grenzen des Unbekannten verschiebenDie Aufgabe von «Kepler» - benannt nach dem Deutschen, der im 17. Jahrhundert die Gesetze der Planetenbewegungen entdeckte - sind in der Tat gigantisch: Mindestens dreieinhalb Jahr lang soll die Sonde innerhalb unserer Milchstraße rund 100.000 Sterne, die unserer Sonne ähnlich sind, sichten und nach sie umkreisende Planeten absuchen, die Ähnlichkeit mit der Erde haben könnten.
Mit von der Partie ist die stärkste Kamera, die jemals im Weltall war, eine 95 Megapixel-Digitalkamera, die das Geschehen festhalten soll. Ins All befördert wird «Kepler» von einer Delta-II-Rakete. Kostenpunkt für das Vorhaben: 550 Millionen Dollar. «Kepler» werde die Grenzen des Unbekannten in der Milchstraße weiter nach hinten verschieben, meint der Chef des Nasa-Astrophysik-Instituts, Jon Morse.
Suche nur indirekt möglichBisher sind zwar schon rund 350 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt worden, doch diese «Exoplaneten» haben alle einen Haken: Entweder handelt es sich Jupiter-ähnliche Gasriesen oder um felsige Planeten, die ihrer Sonne aber viel zu nahe und damit viel zu heiß sind, oder es handelt sich um große Eisplaneten - in jedem Fall um Himmelskörper ohne Chance auf Leben. Nach einer «zweiten Erde» haben die Astronomen bisher vergeblich Ausschau gehalten.
Allerdings ist die Suche extrem schwierig: Die Planeten können von «Kepler» nämlich zunächst nicht direkt in Augenschein genommen werden, vielmehr arbeiten die Wissenschaftler mit der indirekten «Transitmethode»: Ein Planet, der vor seiner Sonne vorbeifliegt, verringert für eine kurze Zeit die Helligkeit dieses Sterns - und diese Veränderung der Helligkeit soll «Kepler» messen. Jeder Stern soll ein Jahr lang unter die Lupe genommen werden. Später sollen dann Rückschlüsse auf Größe und Beschaffenheit des Planeten möglich sein.
Experten rechnen mit dutzenden «Erden»Zwar hat bereits der französische Satellit «Corot» in den vergangenen Jahren mit dieser Methode gearbeitet, doch dessen Fähigkeiten waren vergleichsweise beschränkt. So ortete «Corot» unlängst zwar den bisher kleinsten Exoplaneten «Corot Exo-7b», der in etwa doppelt so groß ist wie die Erde. Doch auf ihm wird es über 1000 Grad heiß - keine Basis für Leben.
Die Nasa-Experten gehen davon aus, dass ein erdähnlicher Planet etwa ein Jahr brauchen sollte, um seine Sonne zu umrunden - dann liegt er möglicherweise in einer «bewohnbaren Zone», in der es etwa Wasser in flüssiger Form geben könnte, was nach wie vor als Hauptvoraussetzung für Leben gilt.
Zahlreiche Experten sind zuversichtlich, manche rechnen gar damit, Dutzende erdähnlicher Himmelskörper auszumachen. «Wenn wir herausfinden, dass die meisten Sterne von «Erden» umgeben sind, legt das nahe, dass Bedingungen für Leben in unserer Galaxie häufiger anzutreffen sind», sagte William Borucki vom Nasa-Forschungszentrum im kalifornischen Moffett Field. «Finden wir aber nur wenige oder keine «Erden» deutet das hingegen darauf hin, dass wir möglicherweise alleine sind.» (Peer Meinert, dpa)