Katastrophale Klimabilanz: 

netzeitung.deWeiches US-Klopapier zu hart zur Umwelt

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Katastrophale Klimabilanz 

Lupe Weiches US-Klopapier zu hart zur Umwelt

Luft zwischen den Lagen, Lotion im Papier: US-Amerikaner wollen es behaglich, auch auf dem Klo. Umweltschützer schlagen nun Alarm, denn für das Papier werden Holzmengen geopfert, die andere Umweltschädiger in den Schatten stellen.

Es ist weich, unfassbar weich, US-amerikanisches Toilettenpapier - ein echter Poschmeichler eben. Leider gibt es ein Problem mit dem strahlend-weißen Rollen. Sie werden zu 98 Prozent aus frisch gerodetem Holz hergestellt und mit umweltschädlichen Chemikalien gebleicht.

Ein Produkt, das man nur wenige Sekunden benutzt, habe damit einen deutlich negativeren Einfluss auf den Klimawandel als große Spritschleudern und Fast-Food-Ketten, stellen Umweltschützer fest. Millionen Bäume werden in Nord- und Süd-Amerika für die Herstellung von Toilettenpapier gerodet - auch Uraltbestände in Kanada. Der Amerikaner aber beharrt auf seinem mehrlagigen Softpapier. «Weich und bequem» sei der Wunsch, sagt James Malone, ein Sprecher der Firma Georgia Pacific.

Exzesse eines Zeitalters
«Kommende Generationen werden die Art, wie wir Klopapier produzieren als eine der größten Exzesse unseres Zeitalters betrachten», sagt Allen Hershkovitz vom US-amerikanischen Natural Resources Defence Council.

In Europa und Südamerika werden bereits bis zu 40 Prozent des Toilettenpapiers aus recyceltem Papier hergestellt. Greenpeace versucht mit einer Kampagne das Bewusstsein der Amerikaner für die ökologischen Kosten ihrer Toilettenhygiene zu ändern. Die Umweltaktivisten haben eine Broschüre herausgebracht, den«Recycled tissue and toilet paper guide», in der alle Klopapiersorten auf ihren Anteil an Recyclingpapier und die Art ihrer Bleichung untersucht aufgeführt werden. Greenpeace verteilte entsprechende Plus- oder Minuspunkte. Leser der Broschüre werden zudem aufgefordert, dem größten Hersteller von unrecycletem Toilettenpapier, Kimberly-Clark, Protestnoten zuzuschicken. Tenor: «Als weltgrößter Hersteller von Toilettenpapier hat Kimberly-Clark die Ressourcen und die Verantwortung, umweltfreundliche Produkte herzustellen.»

Abseits vom Umweltgedanken hofft Greenpeace auch darauf, dass der Krisen-Trend hin zu mehr Second-Hand-Ware sich auch auf den Klopapier-Sektor auswirkt.

Konjunktur für edles Papier
Greenpeace kämpft auf noch recht verlorenem Posten, denn gleichzeitig wird in den USA Werbung geschaltet, in der Prominente über den Komfort von Luxus-Toilettenpapier und Taschentüchern plaudern. Edles Klopapier boomt. Die «New York Times» berichtet über einen 40-prozentigen Anstieg im Verkauf allein im Jahr 2008 – und das Mitten in der Rezession.

Der neuste Schrei ist Papier, bei dem Luft zwischen die einzelnen Lagen gepresst wird – das ultimative Wohlfühlerlebnis und in der Herstellung eine stark umweltschädlich.

25 Millionen gegen «Billig-Klopapier»
Die Firma Kimberly-Clark produziert Papier, in dem eine Lotion enthalten ist. Das Produkt findet reißenden Absatz. Die gleiche Firma hat im dritten Quartal 2008 laut dem britischen «Guardian» 25 Millionen Dollar ausgegeben, um die Amerikaner von der Benutzung von «Billig-Klopapier» abzuhalten.

Dave Dixon, Firmensprecher von Kimberly-Clark, sagt zum Thema «Recycling-Papier», dass dieses Produkt seit Jahren auf dem Markt sei. Wenn die Konsumenten es kaufen wollten, könnten sie es jederzeit tun. Kimberly-Clark betont übrigens auf seiner Webseite in aller Ausführlichkeit dasUmweltengagement der Firma.
Für das Web ediert von Patrick Loewenstein