Relevanz von Studien: 

netzeitung.deKiffer müssen keine Angst um Hoden haben

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Nicht ungefährlich (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nicht ungefährlich
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Eine Studie wie gemacht für Schlagzeilen: Kiffer haben ein höheres Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken. Allerdings ist das Erkrankungsrisiko insgesamt recht gering.

Der Genuss von Cannabis ist nicht ungefährlich - keine Frage. So erhöhen sich die üblichen Krebsrisiken genauso wie beim Inhalieren von Verbrennungsprodukten insgesamt. Auch deuten viele Studien darauf hin, dass besonders früher Konsum die geistige Entwicklung beeinträchtigt.

Doch nicht jede Studie über die Folgen von Cannabiskonsum hat auch eine praktische Relevanz. So auch die jüngste von Forschern des Fred Hutchinson Cancer Research Centers in Seattle. Doch zunächst der Inhalt: Laut der Studie erhöht häufiger Konsum von Cannabis deutlich das Risiko für eine besonders aggressive Form aber sehr seltene Form von Hodenkrebs. Marihuana-Raucher sind demnach im Vergleich zu Abstinenzlern um 70 Prozent stärker gefährdet, ein sogenanntes Non-Seminom zu entwickeln. Bei Langzeitkonsumenten ist das Risiko sogar etwa verdoppelt, berichtete das Team um Stephen Schwartz in der aktuellen Ausgabe des Magazins Cancer.
Zusammenhang gesucht
Das sehr aggressive Non-Seminom ist verantwortlich für etwa 40 Prozent aller Hodentumoren und tritt meist recht früh im Alter von 20 bis 35 Jahren auf. Dagegen betrifft das häufigere Seminom in der Regel Männer zwischen 30 und 50 Jahren. Die aktuelle Studie hatte ihren Ursprung in der Beobachtung, dass in Nordamerika und Europa die Häufigkeit von Hodenkrebs seit den 50er Jahren um jährlich rund drei bis sechs Prozent ansteigt.

Da in dem gleichen Zeitraum auch der Cannabis-Konsum zunahm, prüften Forscher des Fred Hutchinson Krebszentrums in Seattle gezielt ein Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen. Sie verglichen den Marihuana-Gebrauch von rund 370 Hodenkrebs-Patienten und etwa 980 Männern gleichen Alters ohne die Erkrankung.

Einfluß auf Hormonproduktion
Die Forscher deuteten die Vergleichszahlen als einen deutlichen Hinweis auf einen Zusammenhang. Möglicherweise beeinflusse die Droge die Hormonproduktion, vermutet die Epidemiologin Janet Daling, die an der Studie beteiligt war, eine Ursache. Dies könnte erklären, warum vor allem jene Menschen gefährdet sind, die schon vor dem 18. Lebensjahr Marihuana geraucht haben. «Junge Männer sollten wissen, dass wir sehr wenig über die Langzeitfolgen vor allem von starkem Marihuanakonsum wissen», mahnt Studienleiter Schwartz.

Wird in diesem Zusammenhang allerdings auf die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr - die so genannte Inzidenz - geschaut, ist die Gefahr, an Hodenkrebs zu erkranken selbst für Kiffer recht gering: Zwar ist Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern, insgesamt allerdings ist er recht selten. Nach Angaben der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Hodentumoren erkranken daran aktuell in Deutschland etwa sieben von 100.000 Männern pro Jahr.

Der deutsche Researchblogger Lars Fischer hat in seinem Fischblog mal nachgerechnet und kommt auf eine Steigerung des individuellen Risikos durch Cannabiskonsum um 0,001 Prozent. (nz/AP)