29.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Das Gehirn: Hochpräzise bei unbewussten Entscheidungen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wer über einen Sachverhalt nachdenkt, macht häufig Fehler - und trifft falsche Entscheidungen. Hirnforscher meinen aber, dass unbewusste Entscheidungsprozesse meist optimal sind.
Unbewusste Entscheidungen werden wesentlich präziser und rationaler getroffen als bewusste Überlegungen. Das haben Neurowissenschaftler der Universität Rochester im US-Bundesstaat New York herausgefunden. Die Verlässlichkeit von Entscheidungen werde durch bewusst aufgenommene Informationen sogar gestört, schreiben Alex Pouget und Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «Neuron».
Pouget beschäftigt sich seit Jahren mit der Präzision unbewusster Entscheidungen, da ihm bisherige Annahmen nicht ausreichten. Bereits 1979 hatten die Neurowissenschaftler Daniel Kahneman und Amos Tversky behauptet, die Entscheidungsfindung menschlicher Gehirne sei nur in seltenen Fällen rational. Diese im Jahr 2002 mit dem Nobelpreis ausgezeichente Arbeit wird seit dem als Lehrmeinung akzeptiert.
Bestmögliche logische EntscheidungPouget meint, dass das Gehirn meist die bestmöglichen logischen Entscheidungen erziele jedenfalls dann, wenn das Unterbewusstsein die Entscheidungen treffen kann. Der größte Teil unserer Entscheidungen trifft das Gehirn tatsächlich unterbewusst, sagt der Neurowissenschaftler und kritisiert, dass sich die bisherige Forschung vor allem mit bewussten Entscheidungen beschäftigt habe.
Mit einem sehr einfachen aber effektiven Design haben Pouget und Kollegen dem Gehirn beim Entscheiden zugeschaut. Auf einem Computerbildschirm sind Punkte zu sehen, die sich nach dem Zufallsprinzip in verschiedene Richtungen bewegen. Einige der Punkte bewegen sich allerdings zielgerichtet nach links oder rechts. Die Versuchspersonen sollten urteilen in welcher Richtung sich die Punkte bewegen.
Plötzlich die richtige AntwortDie Probanden hatten ohne großes Nachdenken eine ziemlich gute Trefferquote. Die richtige Antwort war plötzlich da - ohne ein Wissen über die sehr komplexen Berechnungen. In einem weiteren Versuch wurde den Probanden der Prozentsatz optimaler Lösungen mitgeteilt. Mit diesem rationalen Wissen ausgestattet wurden deutlich schlechtere Ergebnisse erreicht. Wird also das Unterbewusstsein in seinen Entscheidungsfindung von rationalen Komponenten abgelenkt, entstehen Fehler.
Mit dem gleichen Versuchsaufbau hat Michael Shadlen an der Universität von Washington Versuche auf neuronaler Ebene angestellt. Er beobachtete ein Neuronenpaar, das auf Bewegungen nach links oder rechts reagiert. Im Testverlauf feuerten die Neuronen häufiger. Wenn eine bestimmte Schwelle erreicht wurde, bildete sich im Gehirn die Antwort auf die Bewegungsrichtung aus. Pouget und seine Kollegen haben diese Ergebnisse in ihre Theorie integriert und haben nun eine genauere Idee der Funktionsweise von Entscheidungsfindungen auch auf neuronaler Ebene.
Schwellen für die Richtigkeit variierenDas Gehirn «wartet» nicht, bis einen vollkommene Sicherheit herrscht, es trifft Entscheidungen, die auf einer Wahrscheinlichkeiten beruht. Das hat laut Pouget mehrere Vorteile. Der wichtigste ist, dass sich eine sinnvolle Entscheidung in einer sinnvollen Zeitspanne treffen lässt. Die Entscheidungsfindung wird also zeitlich und nach Wahrscheinlichkeit maximal optimiert.
Ein weiter Vorteil ist das Wissen um die Genauigkeit der Entscheidung: Wir können aufgrund unbewusst gesammelter Informationen beurteilen, mit wieviel prozentiger Wahrscheinlichkeit eine getroffene Entscheidung richtig ist. Die prozentualen Schwellen für die Richtigkeit einer Entscheidung variieren je nach dem Sachverhalt der Entscheidung. Wie die Installierung dieser Prozentmarken funktioniert will Pouget in weitern Versuchen herausfinden.
Für das Web ediert von Patrick Loewenstein