Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Umstrittene Versuche in Bremen: 

Affenschädel werden weiter aufgebohrt

19. Dez 2008 22:02
In Bremen forschen Wissenschaftler an Affen
Bild vergrößern
Forscher untersuchen an Makaken die Funktionen des Gehirns. Tierschützer betrachten die Versuche, bei denen die Schädel geöffnet werden, als Quälerei. Ein Gericht hat sie fürs Erste genehmigt.

Die umstrittenen Affenversuche an der Universität Bremen dürfen vorerst fortgesetzt werden. Das entschied das Verwaltungsgericht Bremen am Freitag (Az. 5 V 3719/08). Das Institut für Hirnforschung kann die Experimente weiterführen, aber zunächst nur solange, bis die Bremer Regierung über einen Widerspruch der Uni entscheidet. Das SPD-geführte Gesundheitsressort hatte einen Antrag auf Fortsetzung der Versuche zuvor abgelehnt.

Mit den teils Stunden dauernden Experimenten an den Makaken-Affen erforschen Wissenschaftler die Funktion des Gehirns. Die Grundlagenforschung soll der Heilung schwerer Gehirnschäden dienen. Tierschützer sehen die Versuche als Quälerei. Das Verwaltungsgericht erklärte, es sei notwendig, «den Sachverhalt weiter aufzuklären». Im Anschluss daran seien schwierige und bislang nicht abschließend geklärte Rechtsfragen zu beantworten. Bei dem Streit geht es um die Frage, welches Recht Vorrang hat, das Grundrecht auf Forschungsfreiheit oder der verfassungsrechtlich verbürgte Tierschutz. Die Versuche laufen seit 1998.

«Das ist ein Etappensieg, aber in der Kernproblematik ist noch nichts entschieden», sagte ein Sprecher der Universität. «Es findet jetzt noch mal eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema statt.»

Loch in den Schädel gebohrt

Im Gesundheitsressort möchte man nicht von einem Etappensieg der Uni sprechen und sieht nach der Entscheidung ein «völlig offenes Verfahren». Die Behörde will nun in einem Gutachten die Belastung für die Tiere bei den Experimenten untersuchen lassen. «Wir müssen ganz konkret prüfen, ob die Tiere leiden», sagte eine Sprecherin des Gesundheitsressorts. Wann über den Widerspruch der Forscher entschieden wird, sei noch unklar. «Wir schauen, dass wir das schnell und effizient klären.»

Bei den Versuchen wird den Primaten ein Loch in den Schädel gebohrt, durch das bei den Tests Elektroden in ihr Gehirn geschoben werden. Auf ihrem Kopf ist mit Zement eine Halterung befestigt, mit der die Tiere fixiert werden können. Am Ende ihres Versuchstierlebens werden sie getötet, damit die Gehirne untersucht werden können. Nach Angaben des Forschungsleiters Andreas Kreiter ist die Belastung für die Tiere «objektiv relativ gering».

«Nur für kurze Zeit erlaubt»

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte wertete die nur befristete Genehmigung als Teilerfolg. «Wir sind erleichtert, dass das Gericht Kreiters Affenversuche nur für eine kurze Zeit erlaubt», teilte der Verbandsvorsitzende Kurt Simons mit. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, teilte mit: «Es ist höchst bedauerlich, dass das Leid der Affen an der Universität Bremen nun doch noch kein Ende hat.» (dpa)

 
Drucken
Versenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
  •  Berlin 16°
  •  Hamburg 15°
  •  Köln 16°
  •  Frankfurt 19°
  •  Stuttgart 16°
  •  München 17°
Aus anderen Ressorts
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Zur NZ-Jobsuche
Anzeigen:
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.