Tests zur Risikobewertung: 

netzeitung.deBehörde ließ an der Uni «Spice» rauchen

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Rauchen für die Forschung (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Rauchen für die Forschung
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Behörden können noch immer nicht sagen, ob die Kräutermischung «Spice» gefährlich ist oder nicht. Auch ein Selbstversuch brachte keine Klärung.

Die seit einigen Monaten kursierende Kräutermischung «Spice» ist auch dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) suspekt. Die Prüfstelle für Lebensmittelsicherheit rät in einer Mitteilung vom Rauchen der Mischung ab. Dennoch sei anzunehmen, dass ein großer Teil der Konsumenten trotz Warnung «Spice» rauchen wird. Dem BfR liege ein Bericht vor, wonach «Spice»-Konsumenten unter Wirkungen, wie Herzrasen und gerötete Aucgen, litten, die denen nach Konsum von Cannabis vergleichbar gewesen seien, heißt es in der Mitteilung. Dieser Befund sei in einem Selbstversuch in einer Universitätseinrichtung mit 300 mg «Spice» bestätigt worden. Daher sei anzunehmen, dass der Konsum die Fahrtüchtigkeit sowie die Fähigkeit negativ beeinflusse, Maschinen zu bedienen.

«Spice» wird seit einigen Monaten in so genannten Headshops und im Internet als Kräutermischung zum Beduften von Räumen verkauft. Laut einer dem BfR vorliegenden Inhaltsliste handelt es sich um eine Mischung aus acht verschiedenen Pflanzen in ungeklärtem Mengenverhältnis. Die beschiebenen Pflanzen enthalten laut Behörde herzwirksame Alkaloide, Bitterstoffe und auch Glykoside, die Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben können. Es fehlten aber weiterhin Angaben zu den verwendeten Mengen und zu den verwendeten Pflanzenteilen. Zudem bestünden Zweifel, dass die Zusammensetzung der Produkte von Charge zu Charge gleich bleibe.

Nach Angaben Forschungsliteratur wirken die enthaltenen Pflanzen wie folgt: Die weiße Seerose Nymphaea alba enthält in der Wurzel die Alkaloide Nymphaein und Nupharin sowie das herzwirksame Glykosid Nymphalin. Die Wurzel wird in der Volksmedizin bei Schlaflosigkeit und gegen sexuelle Übererregung verwendet, die Blüten werden bei Blutungen benutzt. Über die tatsächliche Wirksamkeit bei gesundheitlichen Beschwerden sagt dies allerdings nichts aus.

Mit dem Namen Helmkraut wird in Nordamerika auch die Spezies Scutellaria late-riflora bezeichnet, die den Bitterstoff Scutellarin enthält und für die Herstellung eines bitteren Tonikums verwendet wird. Für Zornia latifolia wurde aus Brasilien eine Verwendung der Blätter als Ersatz für Cannabis beschrieben. Der indische Lotus Nelumbo nucifera enthält die Alkaloide Nuciferin, Armepavin, Nornuciferin, Roemerin und Pronuciferin. In China wird die Pflanze als Mittel gegen Blutungen benutzt. Leonurus sibiricus enthält die Alkaloide Leonurin und Leonuridin und ist ein Herz- und uteruswirksames Mittel.

Die Kräutermischung enthalte nach ersten Prüfungen auch Tocopherol, im Volksmund auch Vitamin E genannt– ein für den menschlichen Körper essentieller Stoff, der normalerweise mit der Nahrung zugeführt wird. Nach Meinung des BfR könnte der Fund von Tocopherol darauf schließen lassen, dass der Kräutermischung synthetische Verbindungen hinzugefügt wurden, die eine wesentlich höhere Potenz haben, als das im Cannabis enthaltene Tetrahydrocannabinol (THC).

Das Amt hat nun weitergehende chemische Analysen vor allem auch der Rauchinhaltsstoffe angemahnt und will in Abhängigkeit der Ergebnisse unter Umständen «regulatorische Maßnahmen» ergreifen. (nz)