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Zukunftspreis für Bosch: 

Liebling, ich hab' die Sensoren geschrumpft

04. Dez 2008 09:05
Der 'Preisträger': ein drei Millimeter kleiner Bewegungssensor
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Der deutsche Zukunftspreis geht nach Reutlingen. Bosch hat Sensoren entwickelt, die nur unter dem Mikroskop zu sehen sind. Die Möglichkeiten der Anwendung sind vielfältig.

Der große Stolz der Ingenieure aus Baden- Württemberg ist nur drei tausendstel Millimeter groß und wackelt ständig hin und her. Die cleveren Mini-Sensoren, die Bundespräsident Horst Köhler am Mittwochabend mit dem begehrten Deutschen Zukunftspreis auszeichnete, sind eine Erfindung für viele Bereiche - von der Unterhaltungselektronik bis hin zur Altenpflege.

In wirtschaftlich Krisenzeiten gilt die Preisvergabe an ein Tochterunternehmen der Firma Bosch in Reutlingen auch als Signal für den Arbeitsmarkt. In einem neuen Halbleiterwerk soll die Produktion der Messfühler aus Silizium in den kommenden Jahren 800 Arbeitsplätze schaffen.

Die Freude über die Auszeichnung war den Siegern am Abend anzusehen. Sie erhalten nicht nur 250 000 Euro Preisgeld. Der Zukunftspreis ist auch ein gutes Qualitätssiegel für die Vermarktung. «Das war keine Einzelleistung. Das war nur zu realisieren, weil viele Leute mitgemacht haben», sagte Entwicklungs-Ingenieur Jiri Marek als Teamsprecher. Bundespräsident Horst Köhler nannte die Wahl der Jury eine «schöne Entscheidung». Der Zukunftspreis stehe in besonderem Maße für die Umsetzung in Produkte - und damit für Arbeitsplätze. In der Globalisierung käme es nicht auf die Größe an, sondern auch auf Pfiffigkeit.

Die pfiffigen kleinen Bosch-Sensoren aus Silizium, die nur unter einem Mikroskop zu sehen sind, können Bewegungen wie Sinnesorgane wahrnehmen und darauf reagieren. Sie funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Eine Beschleunigung überträgt sich auf die winzige Feder, elektronische Bauteile können die Beschleunigung dadurch messen.

Einige Anwendungen sind alt und bewährt. Fährt ein Auto gegen einen Baum, registrieren Sensoren den Aufprall und lösen den Airbag aus. Doch die Reutlinger Forscher haben ganz andere Anwendungen im Blick. Als Beispiel holt Ingenieur Frank Melzer sein Mobiltelefon aus der Tasche. «Wenn ich mein Handy mit dem Display nach unten auf den Tisch lege, ist es stumm geschaltet.» So müsse man die Stumm-Funktion etwa bei Konferenzen nicht mehr aufwendig über die Tasten auswählen. Auch moderne Spielkonsolen nutzen die Technik bereits. Je nach Spiel wird die Fernbedienung etwa wie ein Tennisschläger benutzt. Winzige Sensoren übertragen die Schlag-Bewegung an die Konsole.

Größe und Stromverbrauch der elektronischen Messfühler spielten bisher im Auto kaum eine Rolle. Allerdings sei kein Kunde bereit, für eine kleine Spielerei im Handy ähnlich viel Geld auszugeben wie für einen lebensrettenden Airbag, ergänzt Melzer. Auch beim Verbrauch müssen die Handy-Sensoren viel genügsamer sein. Also haben die Reutlinger ihre Messfühler systematisch immer weiter «geschrumpft» und entwickelten eine Methode, mit der sie winziger, stromsparender und kostengünstiger produziert werden können als bisher. Knapp einen Euro kostet nun das preisgünstigste Modell.

Schon jetzt produziert Bosch in Reutlingen 200 Millionen Sensoren pro Jahr und verzeichnete im vergangenen Jahr eine Wachstumsrate von 50 Prozent. 2000 Menschen arbeiten im Bereich Sensoren-Technik. Und ein Ende des Wachstums ist nach Überzeugung der Entwickler nicht in Sicht.

Denn noch gibt es viele ungenutzte Anwendungsmöglichkeiten. In der Altenpflege würden die Sensoren Alarm schlagen, wenn ein Mensch hingefallen ist. Wenn ein Laptop vom Tisch rutscht, könnte die Festplatte vor dem Aufprall noch schnell die Daten sichern. Ein Navigationssystem wüsste, auf welcher Etage in einem Einkaufszentrum sich sein Besitzer befindet - die Suche nach der Pizzeria würde noch einfacher. Allerdings sind den Reutlingern ihre Mini-Sensoren noch immer zu groß. «Das Ende der Fahnenstange ist längst noch nicht erreicht», sagt Melzer. Seine Devise lautet: weiterschrumpfen. (Marc Herwig und Ulrike von Leszczynski, dpa)

 
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