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Deutscher Zukunftspreis: 

Nur ein Hauch von Daniel Düsentrieb

03. Dez 2008 14:52
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Der Deutsche Zukunftspreis hat sich in seinem elften Jahr als feste Größe in der deutschen Innovationsnabelschau etabliert. Doch in diesem Jahr fällt ein kleiner Schatten auf die abendliche Feier.

Der Deutsche Zukunftspreis ist quasi der Oscar des Technologielandes Deutschland. Animiert unter anderem von Bayer, Bosch, Daimler, Telekom, ThyssenKrupp und Vattenvall, wird Bundespräsident Horst Köhler heute Abend Ideen auszeichnen, die laut Selbstbeschreibung dem Land im internationalen Wettbewerb Arbeitsplätze und Wohlstand sichern.

Diese zum TV-Event hochstilisierte Nabelschau des selbsternannten Innovationsstandortes Deutschland findet bereits seit 1997 statt und wird wohl, wie auch in den vergangenen Jahren, mit der diesen Veranstaltungen innewohnenden Bräsigkeit über die Bühne gehen.

Doch ist in diesem Jahr doch etwas ein bisschen anders: Ein nominiertes Projekt der Medizinischen Hochschule Hannover, ist vor der Verleihung wegen Patentstreitigkeiten aus dem Rennen genommen worden. Die Mediziner sollten mit der Idee einer mitwachsenden Herzklappe für Kinder antreten. Nach eigenen Angaben hatten die Forscher herzkranken Kindern die Klappen weltweit zum ersten Mal eingesetzt und die Ergebnisse veröffentlicht. Doch Mediziner der Berliner Charité sahen das anders, denn die Klinik für Herzchirurgie hatte bereits im Jahr 2000 ein Biotechnologieunternehmen ausgegründet, das Patente für mitwachsende Klappen anmeldete. «Wir waren definitiv früher als Hannover», heißt es aus Berlin. Die Niedersachsen sprachen nach dem Rauswurf dagegen von einer «gezielten Rufmordkampagne». Nun sollen Patentanwälte den Streit klären. «Mir tut die Sache unendlich leid», kommentierte der Juryvorsitzende Günter Stock jüngst im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa die Denominierung.

«Die Sache» zeigt vor allem eins: Innovation ist ein knallhartes Geschäft, in dem nichts verschenkt wird, und es ist schade, dass damit in diesem Jahr zu Recht oder Unrecht das einzige Projekt ausgeschieden ist, das nicht aus den Reihen der Industrie stammt. Die im Wettbewerb verbliebenen Ideen sind zwar pfiffig, aber mit dem Begriff Zukunft im Sinn von Nachhaltigkeit und einer besseren, lebenswerteren Welt haben sie nicht unmittelbar zu tun.

Sennheisser macht sich Hoffnungen

So kann sich nun zum Beispiel die Firma Sennheisser Hoffnung auf den mit einer Viertelmillion Euro dotierten Preis machen. Das Familienunternehmen ist für eine neue Generation von drahtlosen Digitalmikrofonen nominiert. 20 Millionen Euro Investitionen stecken in der neuen Funktechnik, die das Klangerlebnis bei Konzerten in Fußballstadien sowie von monumentalen Opern- oder Musicalaufführungen revolutionieren soll. Live-Konzertmitschnitte seien jetzt in einer «besseren Qualität als CD-Standard» möglich, betont Jörg Sennheiser im Gespräch mit der dpa. «Der Markt für die professionellen drahtlosen Mikrofonanlagen ist im Wert ähnlich wie der Markt der Kopfhörer», ist der Chef des Unternehmens überzeugt.

Auch noch im Rennen ist eine Erfindung des Reutlinger Bosch-Werkes: ein wenige tausendstel Millimeter großer mikromechanischer Sensor, der Beschleunigungen in Kleingeräten misst. 200 Millionen Stück sind davon schon produziert und in aktuellen Handys, Spielekonsolen und Laptops verbaut. Ein riesiges Geschäft für Bosch, 50 Prozent Wachstumsrate allein im vergangenen Jahr.

Immerhin kann der dritte Nominierte sich mit so etwas wie dem Label «Im Sinne der Nachhaltigkeit» schmücken: Solartechnologie der Firma Schott aus dem oberpfälzischen Mitterteich. Die Industrieglasspezialisten haben die Herzstücke von solarthermischen Kraftwerken optimiert. Bei den Großkraftwerken stehen auf 80 bis 90 Kilometern Länge Parabolspiegel in Reihe und fokussieren die Sonnenstrahlen auf die zentral darüber montierten Receiver. Das in den Rohren zirkulierende Spezialöl wird auf 400 Grad Celsius erwärmt. Die Hitze wird dann über Wärmetauscher in Wasserdampf umgewandelt, mit dem dann herkömmliche Turbinen zur Stromproduktion betrieben werden können.

Der Schott-Receiver soll besonders haltbar sein, zudem wurde die äußere Glashülle so beschichtet, dass 96 Prozent der Sonnenenergie durchdringen kann und nur etwa vier Prozent der Strahlung reflektiert wird. Das innere Rohr erhielt eine Spezialbeschichtung, damit die Wärme fast vollständig an das Öl weitergegeben wird.

Die verbliebenen Nominierten versprühen sicherlich einen Hauch des Entenhausener Erfinders Daniel Düsentrieb («Dem Ingeniör ist nichts zu schwör») und schaffen wahrscheinlich zunächst erstmal Arbeitsplätze. Aber letztlich sind sie Produkte, die verkauft werden wollen – ein elementarer Bestandteil des Systems Marktwirtschaft – und wenn es der Markt erfordert, werden diese Produkte auch außerhalb der Landesgrenzen hergestellt werden. Ist das eine Ehrung durch den Bundespräsidenten Wert?

 
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