02. Dez 2008 17:09
In einer weltweit einmaligen Operation hat ein Schlaganfallpatient Stammzellen direkt ins Hirn eingesetzt bekommen. Das speziell entwickelte Verfahren benutzt eine Art Teebeutel zur Applikation. Der Ausgang des Experiments ist ungewiss.
Die verwendeten Stammzellen, die aus dem Knochenmark eines fremden, gesunden Spenders stammen, wurden in einer Zellbank milliardenfach gezüchtet. Danach werden sie verkapselt und bis zur Verwendung tiefgefroren. Nach einem Schlaganfall mit einer Hirnblutung werden 0,6 Millimeter große Stammzell-Kügelchen dann mit Hilfe eines kleinen Säckchens - eine Art Teebeutel - direkt in das Hirngewebe eingepflanzt.Die zuvor gentechnisch veränderten, adulten Stammzellen setzen laut Brinker Eiweißstoffe frei, die die Nervenzellen schützen und die körpereigene Regeneration anregen. Zentral für die neue Behandlungsform ist es, dass die verkapselten Stammzellen in dem 1,5 mal 1,5 Zentimeter großen Säckchen nach zwei Wochen wieder aus der Blutungshöhle entfernt werden. Damit sollen mögliche Langzeitfolgen oder eine Abstoßung vermieden werden.
Der Patient - der 49 Jahre alte Walter Bast aus Bremen - wurde gleich einige Tage nach der Hirnblutung von dem Neurochirurgen Amir Samii in der hannoverschen Spezialklinik INI operiert. Dort wurde die «Teebeutelchen»-Methode entwickelt. Die Therapie wurde nach Angaben der Mediziner erstmals vom Tierversuch in die klinische Phase gebracht. Der erste behandelte Patient zeigt sich am Dienstag in Hannover froh über den Eingriff: «Es ging mir so schlecht, aber jetzt fühle ich mich super.»
Allerdings können die Mediziner zum derzeitigen Stand ihrer Forschung noch nicht sagen, ob es speziell die Stammzell-Therapie war, die zum Behandlungserfolg bei ihrem Patienten geführt hat, oder die Operation an sich. Nun sollen zunächst weitere Patienten mit einer Hirnblutung nach einem Schlaganfall an der Studie teilnehmen. (dpa)