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Watson-Schüler kritisiert deutsche Gen-Forscher

28. Nov 2000 14:09
In der Debatte um die Abtreibung erbgeschädigter Embryonen haben die Äußerungen des amerikanischen Genpioniers James Watson für Aufregung gesorgt. Ein Schüler Watsons nahm ihn jetzt in Schutz und kritisierte die deutschen Gen-Forscher.

FRANKFURT/MAIN. «Weshalb schweigen die deutschen Humangenom-Forscher?», fragt Benno Müller-Hill, emeritierter Professor am Institut für Genetik der Universität Köln am Dienstag in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Er kritisiert die Zurückhaltung deutscher Gen-Forscher in der Debatte um die Abtreibung erbgeschädigter Embryonen. Zugleich verteidigt Müller-Hill die umstrittenen Ansichten Watsons.

Umstrittenes Plädoyer

Mehr im Internet: Nobelpreisträger James Watson
US-Nobelpreisträger Watson hatte Ende September in der FAZ für die Abtreibung erbgeschädigter Föten plädiert. Er hatte jedoch eingeschränkt, dass über die Abtreibung nur die Eltern entscheiden sollten. Watson hält es für möglich, dass es in Zukunft als unmoralisch gelten könnte, die Geburt von behinderten Kindern zuzulassen. In den nächsten Jahrzehnten werde es «einen immer stärkeren Konsens darüber geben, dass Menschen das Recht haben, dem Leben erbgeschädigter Föten ein Ende zu setzen». Für seine Äußerungen war Watson von der Bundesärztekammer sowie vom Sozialverband Deutschland scharf kritisiert worden. Der Tübinger Theologe Dietmar Mieth hatte Watson eine «Ethik des Grauens» vorgeworfen.

Vernunft und Wahrheit statt Nazi-Logik

Dagegen schreibt Müller-Hill, ein Schüler Watsons, er sehe in dem FAZ-Beitrag seines Lehrers «Vernunft und Wahrheit», wo andere «befremdlichen Stil» oder gar «Nazi-Logik» sähen. Allerdings fehle bei Watson ein Satz, in dem er sich deutlich dafür ausspreche, «dass den Frauen, die von der Diagnose ihres Ungeborenen nicht wissen wollen, keine Nachteile in der medizinischen Versicherung entstehen.» Auch sollten «so geborene, behinderte Kinder nicht diffamiert, sondern aktiv unterstützt werden».

Der Genetiker erklärte, er habe Hochachtung vor Eltern von Kindern mit dem Down-Syndrom. Aber er verstehe auch die, die sagen, sie können und wollen das nicht. «Die einen sollen nicht die anderen zu ihrer Haltung zwingen.»

Der FAZ warf Müller-Hill vor, in der Übersetzung aus dem Englischen den Sinn des Watson-Textes verschoben zu haben: «Die Redaktion hat dem Text eine eigene Überschrift zugefügt und verschwiegen, dass der Aufsatz gekürzt wurde.» (dpa)

 
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