Alte Wetterdaten decken auf:
Chinesen könnten von Klimawandel profitieren
26.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Heuschreckenplage in Mexiko
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der vom Menschen gemachte Klimawandel wird allgemein mit extremerem Wetter gleichgesetzt. Nicht überall allerdings: In China und im Süden Asiens könnten sich die Lebensbedingungen verbessern.
Von der Klimaerwärmung ist in der Regel ja nichts Gutes zu erwarten: extremere Wettersituationen, Ernteausfälle, Überflutungen und Dürren. Doch scheint die Klimaerwärmung auch ihre positiven Seiten zu haben zumindest für die chinesische Landwirtschaft. Wie ein chinesisches Forscherteam aus historischen Daten herausgelesen hat, könnten Heuschreckenplagen, die mitunter ganze Landstriche kahl fressen, mit der globalen Erwärmung abnehmen.
Die Wissenschaftler um Zhibin Zhang haben historische Berichte von Heuschreckenplagen gesichtet und mit Temperaturaufzeichnungen und Schätzungen über Flut- oder Dürreperioden der vergangenen 1000 Jahre verglichen, wie das Magazin New Scientist unter Berufung auf eine Studie in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B berichtet. Danach entwickelt sich die Population der orientalischen Wanderheuschrecke abhängig vom Klima. Etwa alle 160 bis 170 Jahre werden demnach die Schwärme besonders groß und flauen danach wieder ab. Interessanterweise treten aber die größeren Schwärme während kühlerer Klimaperioden auf.
Kühlere Temperaturen sorgen für DürreEigentlich vermehren sich Heuschrecken besser bei wärmeren Temperaturen doch scheinen Überschwemmungen und Dürreperioden einen größeren Einfluss auf die Größe der Heuschreckenschwärme zu haben. Der Analyse nach treten besonders große Schwärme nicht nur bei niedrigeren Temperaturen auf, sondern vor allem nach größeren Dürren, die durch heftige Überschwemmungen abgelöst wurden.
In unseren Breitengraden ist kühleres Wetter meist mit mehr Feuchtigkeit assoziiert, und Hitze bringt Trockenheit. In China und in den Tropen Asiens ist es dagegen andersrum: Während warmer Klimaperioden kann mehr Wasser über den Ozeanen verdampfen und sich in heftigen Monsunregen über dem Land verteilen. Während kühlerer Perioden verringert sich dieser Verdampfungskreislauf dagegen, das Land trocknet aus und ist durch die Erosion anfälliger für Überschwemmungen.
Brutkasten für HeuschreckenDieser Prozess wirke wie ein Brutkasten für die Heuschrecken, merkt Zang in seiner Studie an. Denn während Dürreperioden geraten vor allem die Fressfeinde der Heuschrecken unter Druck also weniger Konkurrenz für die Tiere. Folgen dann heftige Regenfälle, erholt sich die Vegetation wieder und die Heuschrecken profitieren am schnellsten davon. Sie ziehen in riesigen Schwärmen übers Land und vernichten ganze Ernten. Ist es dagegen gleichmäßig feucht, halten die Konkurrenten und Fressfeinde die Heuschreckenpopulationen in Schach.
Die Auswertung der historischen Daten habe gezeigt, dass wärmere Klimaperioden im alten China extreme Wetterbedingungen und Heuschreckenplagen verringert haben, resümiert die Forschergruppe um Zang. So könnte also der derzeitige Erwärmungsprozess für China nicht nur weniger Heuschreckenplagen bedeuten, sondern auch ein reduziertes Risiko für Dürre- und Überschwemmungsperioden.
Ob diese Vorhersage allerdings tatsächlich eintritt, ist schwer einzuschätzen, denn die durch den Menschen gemachte Klimaerwärmung kann bisher noch unbekannte Effekte nach sich folgen lassen, die mit den Effekten der von Zang untersuchten historischen Wärmeperioden nicht vergleichbar sind. (nz)