Verhaltensbiologie: 

netzeitung.deDie Schwatzhaftigkeit der Makakenweibchen

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Manchmal hilft auch Schweigen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Manchmal hilft auch Schweigen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Weibliche Rhesusaffen geben uns einen wichtigen Hinweis zur Entstehung unserer Sprache. Warum? Weil sie wesentlich häufiger untereinander als mit ihren männlichen Artgenossen tratschen.

Frauen sind schwatzhafter als Männer – ein Klischee, das gerne auch von Frauen reproduziert wird, scheint eine Entsprechung in der Tierwelt zu haben: Zumindest Makakenweibchen verständigen sich per Lauten wesentlich öfters mit anderen Weibchen als die Affenmännchen dies tun. Das ist das Ergebnis der Beobachtungen von Nathalie Greeno und Stuart Semple von der Londoner Roehampton University. Die beiden haben über ein Vierteljahr lang Makaken auf der kleinen Insel Cayo Santiago in der Karibik beobachtet und berichten darüber im Fachmagazin Evolution and Human Behavior.

Die beiden Verhaltensforscher belauschten eine Gruppe von 16 weiblichen und acht männlichen Rhesusäffchen und zählten alle Laute, die nicht direkt als Warnschrei drohende Gefahr oder eine Futterquelle anzeigten. Was die Wissenschaftler interessierte, waren kleine Grunzer, Schnurren und Gurren, die jeweils zwischen zwei Äffchen ausgetauscht werden. Dabei fanden Greeno und Semple heraus, dass die Weibchen bis zu 13 Mal mehr freundliche Laute austauschen, als die männlichen Makaken. Außerdem kommunizierten die Weibchen auch eher mit anderen Weibchen – Männchen hatten in Bezug auf ihr «Sprechbedürfnis» keine spezielle Geschlechterpreferenz.

Nun muss dazu gesagt werden, dass bei Makaken, die in Gruppen von bis zu 100 Tieren leben, die Weibchen generell den Ton angeben. Männchen verlassen bei Geschlechtsreife den Gruppenverband und schließen sich verschiedenen «Familien» an, während die Weibchen meist ein Leben lang im Gruppenverband bleiben und eine enge Sozialstruktur mit gegenseitiger Sorge um den Nachwuchs aufbauen. Hierin sehen die Wissenschaftler auch den Grund für die Schwatzhaftigkeit der Makakinnen: Sie benötigen die Lautkommunikation, um die sozialen Bindungen im Gruppenverband aufrecht zu erhalten.

Die Beobachtungen stützen denn auch die Theorie, dass sich die menschliche Sprache entwickelt hat, um die Bindungen in den immer größer werdenden Sozialverbänden zu festigen. Bei Affen übernimmt eigentlich die gegenseitige Fellpflege – das «Lausen» – diese Funktion. Viele Forscher gehen davon aus, dass Sprache das Lausen abgelöst hat, weil sie schneller und damit effektiver zu handhaben ist. (nz)