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PISA-Ländervergleich: 

Deutschland weniger versetzungsgefährdet

18. Nov 2008 13:50
Unterricht in Deutschland
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Deutschland ist Exportweltmeister, deutsche Forscher stehen an der Weltspitze. Doch am Anfang des Bildungsweges lösen sich die bekannten Probleme nur schleppend. Gymnasiasten lesen teils schlechter als zuvor. Mit Quiz

Hier geht's zum PISA-QUIZ>>> Im Jahr 2006 veröffentlichte die OECD die letzte internationale Pisa-Studie. Finnland lag an der Spitze, Deutschland hatte sich unter 57 Staaten um fünf Plätze auf Rang 13 verbessert. Für den am Dienstag veröffentlichten innerdeutschen Vergleich der Bundesländer mussten 57.000 Schüler im Alter von 15 Jahren aus rund 1500 Schulen Fragen beantworten - fast zehn Mal so viele wie für die internationale Studie in Deutschland. Die Fragen des Länder-Vergleichs (Pisa E) lehnen sich stark am internationalen Test an, sind aber in einigen Bereichen anders strukturiert oder erweitert. Die wichtigsten Ergebnisse:

Lesekompetenz:

Auch wenn es im Vergleich der Bundesländer einige Verbesserungen und immerhin im Vergleich zu 2000 keine Verschlechterungen gibt, sind die Lesekenntnisse der deutschen Schüler umgerechnet noch gut ein Schuljahr von der internationalen Spitze entfernt. Lediglich vier Länder konnten den OECD-Durchschnitt toppen, fünf Länder erreichten dagegen deutlich schlechtere Ergebnisse. Im Jahr 2003 lagen noch neun Bundesländer deutlich unter dem internationalen Durchschnitt – und diese mit erschreckend schlechten Leseleistungen. Immerhin hat sich der Abstand zwischen den besten deutschen Schülern (Sachsen) und den schlechtesten Lesern (Bremen) von 51 Punkten auf 38 Punkte verringert.

Die PISA-Mittelwerte im Fach Lesen/Textverständnis
200620032000
Sachsen512504491
Bayern511518510
Thüringen500494482
Baden-Württemberg500507500
Rheinland-Pfalz499485485
Saarland497485484
OECD-Durchschnitt492494500
Hessen492484476
Nordrhein-Westfalen490480482
Berlin488481-
Sachsen-Anhalt487482455
Brandenburg486478459
Schleswig-Holstein485488478
Niedersachsen484481474
Mecklenburg-Vorpommern480473467
Hamburg476478-
Bremen474467448
Gesamtdeutschland495491484
dpa
Fünf Bundesländern (Sachsen-Anhalt, Bremen, Brandenburg, Sachsen und dem Saarland) bescheinigt der Pisa-Ländervergleich seit der ersten Erhebung dieser Art im Jahr 2000 einen Zuwachs der Lesekompetenz. Werden nur die Gymnasien betrachtet, hat sich in einigen Ländern, besonders in Niedersachsen, die Lesekompetenz verschlechtert. Ein Trend bleibt allerdings konstant: Nach wie vor sind die Mädchen den Jungen im Lesen in allen Ländern deutlich überlegen.

Mathematik:

Die Streuung mathematischer Kompetenz ist innerhalb der Länder nach wie vor sehr hoch. Besonders stark ist das in Hamburg, Berlin und Bremen der Fall, aber auch in Hessen und Brandenburg.


Die PISA-Mittelwerte im Fach Mathematik
200620032000
Sachsen523523501
Bayern522533516
Baden-Württemberg516512512
Thüringen509510493
Mecklenburg-Vorpommern500493484
Brandenburg500492472
Rheinland-Pfalz500493488
Hessen500497486
Sachsen-Anhalt499502477
OECD-Durchschnitt498500500
Saarland498498487
Schleswig-Holstein497497490
Berlin495488-
Nordrhein-Westfalen493486480
Niedersachsen489494478
Hamburg488481-
Bremen478471452
Gesamtdeutschland504503490
dpa
Zwischen 2000 und 2003 hatte in der Mathe-Kompetenz der 15-Jährigen es noch bemerkenswerte Fortschritte gegeben. Seitdem lassen sich in nur wenigen Ländern Zuwächse verzeichnen. Signifikant unter dem OECD-Durchschnitt lagen 2006 nur noch drei Länder (Bremen, Niedersachsen und Hamburg), 2003 waren es noch vier. Über dem Schnitt liegen Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen, wie auch schon 2003. Allerdings löste Sachsen den Spitzenreiter Bayern ab.

Bildungschancen von Migrantenkindern

Kinder aus Zuwandererfamilien lernen noch immer schlechter. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz ist in allen Bundesländern zu hoch. Beträchtlich sind zudem die Unterschiede bei diesem Zusammenhang zwischen den einzelnen Ländern. In Berlin und Hamburg, aber auch in Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen sind Migrantenkinder wesentlich schlechter und erreichen seltener höhere Schulabschlüsse als ihre Mitschüler deutscher Herkunft. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ist dieser Unterschied am Geringsten.

Die Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg seit 2000 insgesamt abgeschwächt, in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sogar deutlich. Für Erfolge sorgte dort die besondere Förderung schwacher Schüler. Die unterschiedlichen Anteile von Migranten an der Bevölkerung und die verschiedenen Gruppen (Türkei, ehemaliger Ostblock, Vietnam) und ihrer mentalen Unterschiede sind bei diesem Vergleich zu berücksichtigen.

Die PISA-Mittelwerte im Fach Naturwissenschaften
200620032000
Sachsen541522499
Bayern533530508
Thüringen530508495
Baden-Württemberg523513505
Sachsen-Anhalt518503471
Rheinland-Pfalz516497489
Mecklenburg-Vorpommern515491478
Brandenburg514486470
Saarland512504485
Schleswig-Holstein510497486
Berlin508493-
Hessen507489481
Niedersachsen506498476
Nordrhein-Westfalen503489478
OECD-Durchschnitt500500500
Hamburg497487-
Bremen485477461
Gesamtdeutschland516502487
dpa
Naturwissenschaftliche Kompetenz

Vor allem im Bereich naturwissenschaftliche Kompetenz zeigt sich ein positiver Trend der Leistungen und untermauert die Verbesserungen im internationalen Vergleich. Waren bei Pisa 2003 nur Schüler dreier Bundesländer (Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg) deutlich über dem OECD-Durchschnitt, so sind es im aktuellen Vergleich 13 der 16 Bundesländer.

Deutlich treten hier allerdings die Bildungsunterschiede innerhalb Deutschlands zutage: Während Schüler aus Sachsen und Bayern auch im internationalen Vergleich zur Spitze gehören, haben Bremer Schüler einen Lernrückstand von etwa zwei Schuljahren.

Das Abschneiden im Naturwissenschaftstest spiegelt die Interessenlage der Jugendlichen nur teilweise wider. So gibt es in einigen Bundesländern einen hohen Anteil Jugendlicher, die zwar über eine gute naturwissenschaftliche Kompetenz verfügen, sich aber für den Teilbereich kaum interessieren. Wenig überraschend auch der Geschlechterunterschied: Die naturwissenschaftliche Kompetenz lag in allen Ländern bis auf Niedersachsen tendenziell bei den Jungen. Die Länder liegen damit aber im internationalen Trend.


 
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