Erbgutanalyse: 

netzeitung.deFamilie Feuerstein aus Sachsen-Anhalt ermordet

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Steinzeitliche Familienbande bis in den Tod (Foto: PNAS<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Steinzeitliche Familienbande bis in den Tod
Foto: PNAS
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Bild der liebevoll Bestatteten ist rührend - schon in der Steinzeit gab es offenbar enge Familienbande, die bis in den Tod reichte. Doch in Sachsen-Anhalt gefundene Gräber enthüllen pure Grausamkeit.

Bei der Untersuchung mehrere Steinzeit- Gräber in Sachsen-Anhalt hat ein deutsch-britisches Forscherteam den bislang ältesten Hinweis auf eine Kleinfamilie gefunden. Erbgutanalysen belegen demnach, dass die Menschen bereits vor 4600 Jahren in Familien zusammenlebten. Wie eine Art Vaterschaftstest habe die DNA-Analyse bei vier gemeinsam bestatteten Steinzeitmenschen «die weltweit älteste Kernfamilie naturwissenschaftlich nachgewiesen», sagte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller am Montag. Er berichtet mit seinen Kollegen in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften über die Analysen der Funde von Eulau bei Naumburg.

Die Vermutung, dass bereits die Menschen der Steinzeit in kleinen Familienverbänden lebten war trotz bisher dürftiger Beweislage so etablierte Lehrmeinung, dass sie mit der Familie Feuerstein in die Popkultur Einzug gehalten hatte. Doch hing dieser Vermutung immer der Vorwurf an, das Familienmodelle der Gegenwart auf die Vergangenheit projiziert wurden.

«Wir wissen nunmehr auch, dass die Frauen, deren Überreste wir in Eulau gefunden haben, offenbar ursprünglich nicht aus der Gegend stammten, sondern dort wahrscheinlich eingeheiratet haben», sagte Meller. Das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zeigt Teile der Gräber aus dem Burgenlandkreis in einer Sonderausstellung.

«Ganz liebevoll wurden die Toten von den Überlebenden bestattet», erklärte Meller. «Es wurden zudem die Familienbeziehungen analysiert. In einem etwa 4600 Jahre alten Grab halten sich Vater, Mutter und zwei Kinder noch im Tode bei den Händen», sagte Meller. Sie seien von Gesicht zu Gesicht blickend bestattet worden, ihre Zuneigung wurde damit noch im Tode ausgedrückt. «Das ist sehr beeindruckend und zeigt, dass Liebe, Familie eine Grundlage des menschlichen Verhaltens sind und dass die Menschen damals das Gleiche ersehnt haben wie wir heute.»

Die Untersuchung brachte die Wissenschaftler jedoch auch auf die Spur einer grausamen Geheimnisses: So stellten die Archäologen fest, dass entgegen ursprünglicher Annahmen mehrere erwachsene Mitglieder von Familien in den 2005 entdeckten Gräbern gewaltsam ums Leben kamen.

«Wir haben anhand moderner wissenschaftlicher Methoden Erkenntnisse darüber gewonnen, dass zum Beispiel zwei ältere Männer vor etwa 4600 Jahren mit einem wuchtigen Hieb getötet wurden», sagte Meller. Mehrere Kinder und weitere Erwachsene zeigten zudem Spuren von Axthieben auf. In den Überresten einer beerdigten Frau waren zudem Pfeilspitzen aus Feuerstein gefunden worden. «Hier sind die Alten, die Verletzten sowie Kinder und Frauen begraben», resümiert Grabungsleiter Wolfgang Haak. Was auch immer an diesem Tag der Gewalt passiert sei, diese Menschen seien nicht in der Lage gewesen zu kämpfen. Archäologen waren bei der Entdeckung des Fundes im Jahr 2005 zunächst davon ausgegangen, dass die Menschen an einer Krankheit gestorben waren. (nz/dpa)