Geschäftsmodell Spam: 

netzeitung.deErst spammen, dann forschen

 Herausgeber: netzeitung.de

Werbeverteiler gesucht: Spam (Foto: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Werbeverteiler gesucht: Spam
Foto: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Kann mit Viagra-Mails Geld verdient werden? Weil Spammer schwer zu befragen sind, wurden US-Wissenschaftler selbst zu Mailversendern und testeten das Geschäftsmodell Spam.

Viagra, Partnertreff und Post von einem Freund aus Nigeria – Spam gehört zum virtuellen Postverkehr wie der Infoflyer im realen Briefkasten. Während Letzterer ja vielleicht doch zum einen oder anderen Schnäppchenkauf im Lebensmitteldiscounter um die Ecke verleitet, landet eine Spammail, wenn sie überhaupt durch den Filter dringt, letztlich meist im virtuellen Müll. Oder kennen Sie jemanden, der sich schon mal ein Potenzmittel über eine Spammail geordert hat?

Doch Spam muss sich irgendwie rechnen, sonst würden diese obskuren Angebote irgendwann aufhören. Ob sich das Geschäftsmodell Spam lohnt, haben sich denn auch Informatiker der Universitäty of California in Berkeley und San Diego gefragt. Eine in der Wirtschaftswissenschaft dafür übliche Größe ist die so genannte Conversion Rate oder auch Umwandlungsrate, die angibt, auf wie viele Spammails eine tatsächliche Bestellung beispielsweise bei einer Onlineapotheke kommt.

Um diese Daten erheben zu können, mussten die Wissenschaftler selbst unter die Spammer gehen. Sie verschafften sich Zugang zum berüchtigten Spambotnetzwerk «Storm» und verschickten in einem Zeitraum von vier Wochen insgesamt rund eine halbe Milliarde Mails. «Storm» ist ein Netzwerk, das durch Trojaner infizierte Rechner zum Versenden von Spammails verwendet.

Der größte Teil der verschickten Mails warb für Medikamente einer fingierten Onlineapotheke. Nach 26 Tagen und über 300 Millionen Mails hätten die Wissenschaftler, wären sie denn echte Spammer, umgerechnet rund 2200 Euro eingenommen. Lediglich 28 Nutzer waren an dem vermeintlichen pharmazeutischen Angebot interessiert. Die Anfragen in der Onlineapotheke kamen aus allen Teilen der Welt bis auf Afrika. Aus den Daten rechneten die Wissenschaftler hoch, dass auf 12,5 Millionen versandte Spammails nur eine Bestellung kommt. Das entspreche einer Erfolgsquote von weniger als 0,00001 Prozent.

Doch scheint auch hier die Masse das Geschäft zu machen, vermuten die Wissenschaftler, die nur einen ganz kleinen Teil des «Storm»-Netzes zum Verteilen benutzt haben. In der Studie wird geschätzt, dass durch Spam, der über Storm verteilt wird, täglich etwa 5600 bis 7600 Euro umgesetzt werden. Aufs Jahr gesehen ist das lediglich ein Umsatz von zwei bis knapp drei Millionen Euro bei Kosten von rund 60 Euro pro einer Million Spammails. Die von den Wissenschaftlern verschickten 350 Millionen Mails kosteten immerhin rund stolze 20.000 Euro.

Um tatsächlich profitabel zu werden, müsste der Versand von Spam also deutlich billiger werden. Dazu werden noch mehr infizierte Rechner gebraucht, die die Werbepost verteilen. Um das zu simulieren haben die Wissenschaftler eine zweite Spamwelle ins Rollen gebracht, die die Verbreitung eines Trojaners simulierte. Auf Basis dieser Daten vermuten die Informatiker etwa 3500 bis 8500 neue Mailbots am Tag. Angesichts dieser Masse und der nicht versiegenden Spamwellen scheint sich das Geschäft doch zu lohnen. (nz)