12.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Proteste gegen den Anbau von Genmais
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Österreichische Wissenschaftler befürchten, dass sich Gen-Mais auf die Fruchtbarkeit auswirken könnte. Umweltschutzorganisationen fordern einen sofortigen Zulassungsstopp in der EU.
Gentechnisch veränderter Mais der US-amerikanischen Firma Monsanto kann bei Mäusen die Fruchtbarkeit möglicherweise senken. Eine entsprechende Untersuchung hat die Veterinärmedizinische Universitätsklinik Wien am Dienstag vorgestellt. Wie aus der Zusammenfassung der Studie hervorgeht, wurden die Versuchstiere über einen Zeitraum von 20 Wochen mit den Mais-Varianten NK603 und MON810 gefüttert. Diese Maissorten sind in der EU seit dem Jahr 2007 als Lebens- und Futtermittel zugelassen.
Bei allen Mäuseweibchen haben laut Studie die Zahl der Würfe und der Nachkommen mit der Zeit abgenommen. Die Fruchtbarkeitsunterschiede zwischen Versuchs- und Vergleichsgruppe seien bei dem dritten und vierten Wurf jedoch «statistisch signifikant» gewesen, heißt es in der Studie, die vom Umweltministerium in Wien in Auftrag gegeben wurde. Dieser Effekt wurde vor allem bei der Versuchsreihe festgestellt, bei dem immer wieder dieselben Paare zur Reproduktion genutzt wurden. Bei anderen Versuchsanordnungen mit unterschiedlichen Eltern-Paarungen seien die Veränderungen dagegen wiederum weniger deutlich gewesen.
Eine Absicherung dieser vorläufigen Ergebnisse sei durch weitere Studien jedoch dringend erforderlich, betonte Studienautor Jürgen Zentek. In einem Fachjournal ist die Studie noch nicht veröffentlicht. Die Zahl der Versuchstiere war zunächst nicht zu erfahren.
Die staatliche Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) schreibt, es handele sich um eine Einzelfallprüfung, deren Ergebnis keinesfalls direkt auf den Menschen übertragen werden könne. Ob ähnliche Befunde für andere Tiere zu erwarten sind, müsse in entsprechenden Ansätzen untersucht werden, fordert die AGES, auf deren Fachtagung die Studie vorgestellt wurde. Die Verfasser der Studie kommen zu dem Schluss, dass «künftige Studien über die Sicherheit von Genverändertem Mais (GM) solche Fortpflanzungsstudien einschließen müssten.»
Angesichts der Studie forderte die Umweltorganisation Greenpeace Deutschland einen Zulassungsstopp für gentechnisch veränderte Pflanzen in der EU. Außerdem müsse Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) den Import dieses Gen-Maises nach Deutschland sofort verbieten. Das Ergebnis der Studie sei «ein weiterer Beweis für die Risiken genmanipulierter Pflanzen», sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace.
Die Umweltorganisation Global 2000 sprach sich für die Fortsetzung der Untersuchungen aus. «Es ist nun unverzichtbar, Tierfutter von gen-verändertem Mais freizuhalten und die Verwendung des gen- veränderten Maises MON810 (...) sofort zu stoppen», meinte der Sprecher der Organisation, Jens Karp. (dpa)