05.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Sich regen bringt Segen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Französische Forscher arbeiten an einer neuen Diät in Tablettenform. Der Bedarf ist groß, nachdem die erste Schlankmach-Pille Acomplia wieder vom Markt genommen wurde.
Dass Übergewicht das Leben verkürzt und eine der Hauptursachen für Tod bringende Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkte, Krebs oder Arteriosklerose ist, muss kaum jemandem mehr erklärt werden. Die Abhilfe dagegen ist simpel: Mehr Energie verbrauchen, als zugeführt wird. Sprich: Viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Bei entsprechender Regelmäßigkeit und Intensität stellt sich der Stoffwechsel des Körpers um, und es wird eher Energie aus Fettreserven denn aus Kohlenhydratspeichern zur Verfügung gestellt. Fette sind im Körper die eiserene Reserve und werden bis auf Ausnahmen nur angegriffen, wenn keine Kohlenhydrate mehr zur Verfügung stehen. Ausnahme ist zum Beispiel der Herzmuskel, der immer Fett verbrennt. Dessen Energieversorgung muss aus naheliegenden Gründen auch immer sichergestellt sein.
Bewegt sich ein Mensch also viel, kommt es zu einem Energiedefizit, und die Fettdepots werden angegriffen. Der Haken dabei: der innere Schweinehund. Dieses schlimme Tier verbunden mit einer Konditionierung der westlichen Gesellschaft auf das Prinzip «ein Medikament wird es schon richten» haben Begehrlichkeiten nach so genannten Livestyle-Pillen geweckt. Dazu gehörte auch die Abnehmpille
Acomplia. Leider hatte diese auch die Eigenschaft, einige Menschen in Depression zu stürzen. Besagtes Medikament wurde vom Markt genommen der Wunsch nach einer Schlankmach-Pille ist allerdings noch da.
Französische und niederländische Forscher testen nun einen neuen Wirkstoff. Das Mittel simuliert dem Körper genau den eingangs beschriebenen Effekt: Es bringt den Organismus dazu, aufgrund (vermeintlicher) Energieengpässe Fett zu verbrennen. Der Wirkstoff SRT1720 ist dem in Rotwein vorkommenden
Resveratrol ähnlich, wie die Forscher um Johan Auwerx und Jérôme Feige in der aktuellen Ausgabe des Magazins
Cell Metabolism berichten. Ähnlich wie Resveratol wirkt die Substanz auf das Protein SIRT1, das im Organismus Alterungsvorgänge und Stressresistenz steuert.
Die Wissenschaftler haben kleinere Dosen des Wirkstoffes Mäusen verabreicht, die mit einer fettreichen Ernährung «gemästet» wurden. Nach zehn Wochen hatten die Nager trotz der täglichen Kalorienbomben kaum zugenommen. Das Mittel bewirkte eine Umstellung des Stoffwechsels auf Fettverbrennung. In höheren Dosen verhinderte es auch jegliche Gewichtszunahme und erhöhte die Insulin- und Blutzuckertoleranz der Versuchstiere.
Wie die Forscher schreiben, wurden bei den Versuchstieren keine unerwünschten Nebeneffekte beobachtet. Bis das Mittel in klinischen Studien an Menschen ausprobiert werden könne, seien aber noch umfangreiche Tests nötig. (nz)