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Bahnbrechende Forschungsergebnisse: 

Designermolekül tötet Krebszellen

03. Nov 2008 12:44, ergänzt 14:05
Krebszellen wird mit 5'-triphosphate-siRNA auf den Leib gerückt
Eine neues Medikament nimmt Tumorzellen von zwei Seiten in die Zange. Es aktiviert das körpereigene Immunsystem und treibt die wuchernden Zellen in den Selbstmord.

Mit einem neuartigen Designermolekül kann der bösartige schwarze Hautkrebs bekämpft werden. Geschaffen und erprobt wurde das Molekül von einem internationalen Forscherteam unter Leitung der Universität Bonn. Der Wirkstoff ähnelt einerseits Bestandteilen von Viren und alarmiert so das Immunsystem, berichten die Wissenschaftler in der November-Ausgabe von Nature Medicine.

Die körpereigene Abwehr wird dabei auch gegen Krebszellen scharf gemacht. Gleichzeitig setzt das neuartige Molekül den Tumor noch von einer anderen Seite unter Druck: Es schaltet in den entarteten Zellen ein bestimmtes Gen aus und treibt sie dadurch in den Selbstmord. Bei krebskranken Mäusen konnten die Forscher so bereits erfolgreich Metastasen in der Lunge bekämpfen.

RNA-Moleküle schalten Gene aus

Die Wissenschaftler griffen für ihre Studie auf jüngste Erkenntnisse aus der Biologie zurück. Als Medikament diente ihnen ein naher Verwandter des Erbgutmoleküls DNA, die sogenannte RNA. Erst seit einigen Jahren ist bekannt, dass man kleine RNA-Moleküle gewissermaßen als Schalter nutzen kann, um gezielt bestimmte Gene auszuknipsen. Dieser Effekt nennt sich RNA-Interferenz, seine Entdeckung brachte den Amerikanern Craig Mello und Andrew Fire 2006 den Nobelpreis ein.

«Wir haben diese Methode genutzt, um die Tumorzellen in den Selbstmord zu treiben», erklärt der Bonner Hautforscher Professor Dr. Thomas Tüting. Jede einzelne Körperzelle verfügt über ein entsprechendes Suizid-Programm. Es wird beispielsweise aktiviert, wenn die Zelle über ein bestimmtes Maß hinaus mutiert - Die Zelle stirbt, bevor sie Schlimmeres anrichten kann. «In Tumoren ist aber ein Gen aktiv, das dieses Selbstmord-Programm unterdrückt», erläutert der Leiter des Labors für Experimentelle Dermatologie. «Dieses Gen haben wir gezielt mittels RNA-Interferenz ausgeschaltet.»

Als Virus «verkleidete» RNA

Gleichzeitig rückten die Forscher dem Krebs noch auf eine weitere Art zu Leibe: «Wir haben unsere RNA gewissermaßen 'verkleidet'», sagt Professor Dr. Gunther Hartmann, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Pharmakologie. «Daher hat das Immunsystem sie für das Erbgut eines Virus gehalten.» Viele Viren nutzen tatsächlich RNA als Informationsspeicher. Wenn der Körper also RNA-Fragmente entdeckt, die er für Viren-Erbgut hält, bläst er zur Attacke. Durch diesen Trick wurde die Körperabwehr also angeregt, viel aggressiver gegen die Tumorzellen vorzugehen als normalerweise.

Auch in den körpereigenen Zellen kommt RNA vor. Lange Zeit war nicht bekannt, wie das Immunsystem «schädliche» von «unschädlicher» RNA unterscheidet. Erst vor zwei Jahren war es Hartmann gelungen, Licht ins Dunkel zu bringen. Dieses Wissen haben die Forscher nun genutzt, um den RNA-Wirkstoff so zu modifizieren, dass er das Immunsystem in Alarmzustand versetzen konnte.

«Der Charme unserer Methode besteht darin, dass wir mit einem einzigen Designermolekül den Krebs von zwei grundlegend unterschiedlichen Seiten in die Zange nehmen», sagt Hartmann. «Dadurch werden dem Tumor Ausweichmöglichkeiten genommen, die eine erfolgreiche Therapie sonst so schwierig machen.» Dass das Ganze wirklich funktioniert, haben erste Versuche an Mäusen mit Lungenmetastasen gezeigt: Durch die Behandlung verkleinerten sich die Tochtergeschwülste oder verschwanden sogar ganz.

«Was in der Maus klappt, muss sich nicht im Menschen bewähren»

Dennoch warnen die Forscher vor zu viel Optimismus: «Was in der Maus klappt, muss sich nicht unbedingt auch im Menschen bewähren», warnt Tüting. «Außerdem sind noch viele Fragen zu klären, bevor überhaupt an eine Studie mit Krebspatienten gedacht werden kann.» Dennoch sei der Ansatz viel versprechend, zumal sich der Wirkstoff vermutlich leicht an andere Krebsarten anpassen lasse. (nz/RFWU)

Fachartikelnummer: DOI 10.1038/nm.1887


 
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