29.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Roxanne, you don't have to put on the red light» - singt zumindest Sting. Vielleicht sollte Roxane das rote Licht aber doch anschalten - zumindest für 90 Sekunden am Tag.
Botox war gestern die Schönheitsbewussten von morgen werden sich zuhause vor eine Wand von roten Leuchtdioden setzen. So oder so ähnlich sieht eine Zukunftsvision der Wissenschaftler Andrei Sommer und Dan Zhu von der Universität Ulm aus. Wie die beiden Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins «Crystal Growth & Design» berichten, ändert das Licht aus roten LEDs das Zusammenspiel zwischen Wassermolekülen und den elastischen Proteinen unserer Haut und macht sie so wieder jungendlicher.
Das Licht mit einer Wellenlänge von etwa 670 Nanometern zerstöre einen stabilen Wasserfilm, der im Alter die elastischen Fasern der Haut umgibt und sie unbeweglich macht, berichten Zhu und Sommer. Fehlt der Film, gewinnt die Faser ihre Elastizität zurück und glättet sich praktisch von alleine.
Die Wissenschaftler hatten danach geforscht, wie die Wassermoleküle der Haut mit verschiedenen Substanzen reagieren. So formen die Wasserteilchen in der Nähe von hydrophoben, also Wasser abweisenden, Substanzen einen glatten, kristallinen Film, während sich Wassermoleküle in hydrophiler - Wasser anziehender - Umgebung eher klebrig verhalten.
Das faserförmige Protein Elastin, eigentlich wasserabweisend, sorgt für die Spannkraft der Haut und wirkt so Faltenbildung entgegen. Doch mit dem Alter lagern sich immer mehr Fettsäuren, Kalziumsalze und Aminosäuren zwischen den Fasern an und machen sie hydrophil. Die Folge: Der Wasserfilm um die Fasern wird klebrig, so dass sie aneinander und am darunter liegendem Gewebe kleben und weniger elastisch sind, was Falten verursacht.
Ihre Theorie untermauerten die beiden Ulmer Wissenschaftler mit einem Selbstversuch. Über zehn Monate bestrahlten sie ihre Augenfältchen für die Dauer von 90 Sekunden mit dem Licht. Danach sei eine deutliche Verringerung der Faltentiefe und eine Verkürzung der einzelnen Linien zu beobachten gewesen, berichten die Wissenschaftler.
Da Elastinfasern auch in Blutgefäßen und Herzmuskel vorkommen, könnte die Methode vielleicht sogar helfen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu behandeln, hoffen die Wissenschaftler. In der Wundheilung wird Licht dieses Spektrums schon heute eingesetzt. (nz)