WWF-Studie: 

netzeitung.deIn 26 Jahren brauchen wir eine zweite Erde

 Herausgeber: netzeitung.de

WWF-Studie 

Lupe In 26 Jahren brauchen wir eine zweite Erde

Die ökologische Krise wird uns um ein vielfaches härter treffen als die aktuelle Finanzkrise, warnt die Umweltorganisation WWF. Und Deutschland gehört mit zu den 30 größten Öko-Schuldnern.

Der Raubbau an der Erde wird nach Einschätzung der Umweltstiftung WWF immer dramatischer. Das geht aus dem «Living Planet Report 2008» der weltgrößten Naturschutzorganisation hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wird. Verglichen mit der vorangegangenen Studie von 2006 habe sich die Situation noch einmal drastisch verschärft, heißt es darin. Ressourcen würden immer schneller verbraucht. «Wir übersteigen mit unserem Konsum die vorhandenen Möglichkeiten um ein Drittel», warnte WWF-Naturschutzdirektor Christoph Heinrich.

Wenn der Verbrauch an natürlichen Ressourcen so weiter gehe, würden bereits im Jahr 2035 theoretisch zwei Planeten benötigt, um den weltweiten Bedarf an Nahrung, Energie und Fläche zu decken. Der Report 2006 hatte dafür noch eine Frist bis 2050 errechnet. Der Worldwide Fund for Nature (WWF) fordert deshalb dringend weltweite Maßnahmenpakete für Nachhaltigkeit.

Auch die Artenvielfalt schrumpft laut WWF weiter bedrohlich: Der Living-Planet-Index misst die Bestände von fast 1700 Wirbeltierarten in aller Welt - er hat sich in den vergangenen 35 Jahren fast um ein Drittel verschlechtert. Während die Abnahme mancherorts in den gemäßigten Klimazonen ein Ende gefunden hat, zeigt der gesamte Index weiter einen rasanten Rückgang.

«Die ökologische Krise wird uns um ein vielfaches härter treffen als die aktuelle Finanzkrise und früher oder später das Wohlergehen und die Entwicklung aller Nationen gefährden», sagte Heinrich voraus. Verantwortlich dafür seien neben dem stark steigenden Ressourcenverbrauch vor allem die weltweite Entwaldung, Klimawandel, Umweltverschmutzung und Überfischung. «Mehr als drei Viertel der Menschheit leben mittlerweile in Ländern, die ökologische Schuldner sind - das heißt, der nationale Konsum übersteigt die Biokapazität des Landes», warnte James P. Leape, Generaldirektor von WWF International.

Deutschland steht bei diesem «ökologischen Fußabdruck» im internationalen Vergleich auf Rang 30. Damit liegt es hinter Großbritannien, Frankreich und Österreich, aber deutlich über dem globalen Mittelwert. Deutschland gehört somit zu den 50 «ökologischen Schuldnern» auf der Welt. Den größten «Fußabdruck» haben die USA und China. Der ökologische Fußabdruck ist eine komplexe Messgröße für die Inanspruchnahme von Ökosystemen und Arten.

Bis 2020 müsse vor allem im Energiesektor eine Trendwende eingeleitet sein, denn die Energieproduktion durch die Verbrennung von Öl, Kohle und Erdgas habe 2005 fast 45 Prozent des weltweiten ökologischen Fußabdrucks ausgemacht, erläuterte der WWF. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien, mehr Energieeffizienz in Industrie, Gebäuden und Verkehr sowie der stufenweisen Schadstoffreduzierung fossiler Brennstoffe durch mehr Kohlendioxidabscheidung und - speicherung sei es jedoch bis 2050 möglich, den weltweiten Energiebedarf zu decken und zugleich den CO2-Ausstoß um 60 bis 80 Prozent zu reduzieren, prognostiziert ein Klimamodell des WWF. (dpa)