Warme Gefühle für Mitmenschen: 

netzeitung.deEin Heißgetränk wärmt auch das Herz

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Wie geschaffen für Zwischenmenschlichkeit: Eine heiße Tasse Kaffee (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wie geschaffen für Zwischenmenschlichkeit: Eine heiße Tasse Kaffee
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Forscher sind der sprichwörtlichen Kaltherzigkeit auf die Spur gekommen. Ihre Erkenntnis: Ein erwärmter Körper erwärmt sich auch für seine Mitmenschen.

Mit warmen Händen haben wir auch warme Gefühle für unsere Mitmenschen. Wie die Forscher Lawrence Williams und John Bargh herausgefunden haben, beeinflusst körperliche Wärme hervorgerufen beispielsweise durch das Halten einer warmen Tasse zwischenmenschliche Urteile und das Sozialverhalten positiv. Marketingspezialist Williams, der an der Universität Colorado in Boulder forscht und sein Kollege Bargh, Psychologieprofessor an der Yale Universität in New Haven im US-Staat Connecticut veröffentlichten ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals «Science» (Bd. 322, S. 606, DOI 10.1126/science.1162548).

In einem ersten Versuch gaben die Forscher 41 Probandinnen eine Tasse Kaffee zu halten, während sie deren Personalien notierten. Manchmal war der Kaffee heiß, manchmal kalt. Anschließend bekamen die Probandinnen eine Kurzbeschreibung eines Menschen. Frauen, die zuvor den heißen Kaffee gehalten und daher warme Hände hatten, urteilten später deutlich positiver über die beschriebene Person als jene Frauen mit kalten Händen. Die körperliche Wärme führte dazu, dass die Frauen den Beschriebenen als selbstloser und liebevoller einschätzten.

In einem zweiten als Produkttest getarntem Versuch sollten die Probanden entweder eine heiße oder kalte Gelkompresse in den Händen halten. Als Lohn für die Teilnahme am Experiment sollten sie dann entweder ein kleines Geschenk für sich selbst oder einen Geschenkgutschein für einen Freund aussuchen. Probanden mit warmen Händen wählten deutlich häufiger das Geschenk für einen Freund. Jene mit kalten Händen beschenkten sich vorzugsweise selbst.

«Der Effekt physischer Temperatur scheint sich nicht nur auf unsere Beurteilung anderer auszuwirken, sondern auch auf unser eigenes Verhalten», sagt Studienautor Bargh. «Physische Wärme lässt uns andere Menschen herzlicher erscheinen und macht uns selbst auch großzügiger und vertrauensvoller.»

Co-Autor Williams vermutet, dass Wärme schon von der frühen Kindheit an über den Mutterkontakt mit Gefühlen wie Vertrauen verknüpft wird. Diese Prägung - laut Williams «subtil und gleichzeitig sehr mächtig» - bleibe lebenslang erhalten und schlage sich auf gesellschaftlicher Ebene auch in der Sprache wieder, etwa bei der Charakterisierung von Menschen als «warmherzig» oder aber «kalt».

Die Ergebnisse von Williams und Bargh unterstützen frühere Vermutung, dass in einem Teil der Großhirnrinde, der so genannten Inselrinde, sowohl physisches als auch psychologisches Wärmeempfinden verarbeitet werden. Demnach sind diese beiden Empfindungen auch eng verknüpft. Die Studie hilft zudem zu verstehen, warum bei Tier und Mensch körperliche Nähe und Wärme im Kindesalter unverzichtbar für eine gesunde emotionale Entwicklung und funktionierende zwischenmenschliche Beziehungen sind. (nz/dpa/AP)