Hiroshima-Pilot würde es wieder tun
03.11.2000
Herausgeber: netzeitung.de
DALLAS. Paul Tibbets ist ein untersetzter, freundlicher alter Herr mit einem dichten, weißen Haarschopf. Der rüstige 85-Jährige war Pilot und Kommandant des Bombers, aus dem am 6. August 1945 die erste Atombombe der Welt über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen wurde, und damit eine durchaus umstrittene Figur der Weltgeschichte. In den USA sehen ihn die meisten als Helden.
Tibbets galt während des Zweiten Weltkrieges als einer der besten Bomberpiloten der USA. Er hatte Dutzende von Einsätzen über Deutschland geflogen und danach den neuen Riesenbomber B-29 getestet. Im Herbst 1944 erhielt er den Auftrag, eine Spezialeinheit zusammenzustellen. Auf einem abgelegenen Flughafen in Utah übten die 17 B-29 der Gruppe unter völliger Geheimhaltung den Abwurf unförmiger großer Bomben. Nur Tibbets wusste, dass es sich im Ernstfall um eine Atombombe handeln würde. Im März 1945 wurde die Einheit auf die Insel Tinian im Pazifik verlegt. Im US-Atomzentrum von Los Alamos arbeiteten Wissenschaftler und Techniker unterdessen fieberhaft an der Fertigstellung der ersten Bomben.
US-Kriegsminister Henry Stimson und Außenminister James Byrnes drängten Präsident Harry Truman, die neue, furchtbare Waffe einzusetzen, über deren Wirkung es nur Spekulationen gab. Man kalkulierte, dass eine Invasion des japanischen Festlands für die US- Streitkräfte Verluste in Höhe von bis zu einer Million Mann bringen könnte. Japan wurde mit der Potsdamer Erklärung am 27. Juli ein letztes Mal zur Kapitulation aufgefordert. Das Kaiserreich aber lehnte ab, und Truman gab grünes Licht für den Abwurf der Bomben. Am 6. August 1945, um 02.45 Uhr in der Frühe, startete die «Enola Gay» von Tinian, an Bord die Atombombe «Little Boy». Techniker machten sie während des Fluges scharf. Die Bombe wurde am Zielort Hiroshima aus 9 450 Metern Höhe abgeworfen. Sie explodierte um acht Uhr 16 Minuten und zwei Sekunden Ortszeit, 580 Meter über der Innenstadt mit der Sprengkraft von 12 500 Tonnen TNT. Die «Enola Gay» kehrte um und erreichte ohne Zwischenfälle den Heimatflughafen. Der Einsatz war nach militärischem Maßstab erfolgreich.

