Schlafforscher finden Ursache:
Warum Schnarcher oft Erektionsstörungen haben
19.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Schlafapnoepatienten haben zu 70 Prozent auch eine erektile Dysfunktion», sagt Martin Konermann. Der Professor ist einer der Leiter der 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, bei der an diesem Wochenende in Kassel 1500 Wissenschaftler aus der ganzen Welt auch über das Thema Schnarchen und Erektionsstörungen diskutierten.
«Bei beiden sind die gleichen Steuerungselemente in den Blutgefäßen die Ursache. Die Durchblutung sorgt zum einen für eine Erektion, zum anderen hält sie die Atemwege während des Schlafs frei. Funktioniert das nicht, schnarcht der Mensch und die Durchblutung von Penis oder Schamlippen bleibt aus», erklärt der Kasseler Professor.
Nicht jeder sei jeden Tag sexuell aktiv. «Also reagiert der Körper, indem er selbst alle Funktionen überprüft.» Erforscht wird das mit Messmanschetten am Penis. Selbst bei Säuglingen versteift sich das Glied, und auch bei Greisen, die zu einer sexuellen Erektion nicht mehr fähig sind.
«16 Prozent der Männer haben eine Dysfunktion. Die haben auch im Schlaf keine Erektion. Wenn doch, wissen wir, dass das Problem psychisch und nicht körperlich ist», sagt Konermann. Dann kann geholfen werden - mit Viagra. «In der groß angelegten Köln-Studie wurde festgestellt, dass sich das Problem bei Männern, denen man zur Nacht Viagra gibt, nach einem Jahr erheblich bessert.»
Der Solinger Professor sieht den Körper nachts unter Stress: «Man bekommt kein Luft, schnappt richtig, und der Körper schüttet Stresshormone aus - gerade die, die man für einen erholsamen Schlaf nicht braucht.» Das könne sogar zu langfristigen Herz-Kreislauf- Erkrankungen führen.
Die Betroffenen würden mehrfach wach, allerdings ohne wirklich zu Bewusstsein zu kommen. «Wenn man dann am nächsten Tag stundenlang auf die Autobahn oder den Überwachungsmonitor im Atomkraftwerk starrt, ist der Sekundenschlaf kaum zu verhindern.» Eine Hilfe gibt es aber doch: Eine Maske, die den Körper nachts mit Druckluft versorgt und so die Atemwege offen hält. «Nicht bequem, aber hilfreich», sagt Randerath. «Und außerdem ein Naturheilverfahren: Es ist ja nur Luft.»
Ein Grund seien Fernsehen und Computer. «Sie halten die Kinder vom Bett ab, und auch die Inhalte sind entscheidend. Das kann Alpträume verursachen.» Das sei mehr als nur ein Nebenproblem der Erziehung: «Die schulischen Leistungen sinken spürbar und der Körper merkt sich das ein Leben lang», sagt der Forscher. «Kinder, die Schlafstörungen haben, sind in der Jugend erheblich anfälliger für psychische Probleme.» (Chris Melzer, dpa)

