Sojus angedockt:
Raumfahrersöhne treffen sich im All
14.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der mit Computerspielen reich gewordene Weltraumtourist bleibt zehn Tage auf der ISS. Er hat für die Verwirklichung seinen Lebenstraums umgerechnet 22 Millionen Euro gezahlt. Einen Teil davon soll durch wissenschaftliche Experimente refinanziert werden. Zu den Auftraggebern gehören die Nasa und die Freie Universität Berlin, für die Garriott einen Krebsforschungs-Versuch mit Molekülen der Ribonukleinsäure durchführen soll.
Nach dem Bilderbuchstart am Sonntag vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur verlief auch das Andockmanöver des Sojus- Raumschiffes an die Raumstation reibungslos. Gemeinsam mit Garriott flogen der russische Kosmonaut Juri Lontschakow und US-Astronaut Michael Fincke zur ISS. Die beiden Profis hatten zuvor bereits ISS- Erfahrung gesammelt und werden als 18. Langzeitbesatzung bis zum Frühjahr auf der Station bleiben.
Die bisherige ISS-Besatzung, die Russen Oleg Kononenko und Sergej Wolkow, begrüßte die Neuankömmlinge begeistert. «Ich kann fliegen», sagte Richard Garriott lachend. «Gratulation zum Verlassen der Erde», sagte Garriotts Bruder Robert später in einer kurzen Videokonferenz. Wenngleich es in einer Sojus-Kapsel eng ist wie in einer Sardinenbüchse, überstand der Weltraumlaie Garriott die Reisestrapazen klaglos. Er sei als letzter der drei Raumfahrer durch die Schleuse in die ISS geschwebt, sehe bestens aus und lächele unentwegt, berichtete ein Sprecher der Flugleitzentrale bei Moskau. Nach eineinhalb Wochen auf der Station kehren Garriott und Wolkow gemeinsam mit dem Russen Oleg Kononenko am 24. Oktober zur Erde zurück.
Die neue Langzeitbesatzung bleibt 175 Tage im All. Die Mission soll planmäßig die letzte sein, die als Trio arbeitet. Ab Frühjahr sollen sechs Raumfahrer ihren Dienst in der Schwerelosigkeit ausüben.
Es könnte sein, dass mit dem sechsten Weltraumtouristen Garriott die Ära der wohlhabenden ISS-Gäste zu Ende geht, weil alle Plätze in den Sojus-Raumschiffen künftig mit Raumfahrt-Profis belegt sein werden. Roskosmos teilte mit, dass der Duma-Abgeordnete und Unternehmer Wladimir Grusdew wohl darauf verzichten muss, im Herbst als erster russischer Weltraumtourist in die Umlaufbahn zu starten. An seiner Stelle solle ein ausgebildeter ausgebildeter Kosmonaut aus Kasachstan zur ISS fliegen, hieß es im Flugleitzentrum bei Moskau. (nz/AP/dpa)

