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Sensationsfund in Sachsen-Anhalt: 

Dinosaurier sind viel älter als gedacht

02. Okt 2008 17:07
Diese Spuren sind rund 243 Millionen Jahre alt
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Ein Kalksteinbruch in Bernburg macht Experten euphorisch: Schlappe 15 Millionen Jahre weichen die dort gefundenen Spuren vom bisher angenommenen Alter ab. Das ändert unser Bild der Dino-Geschichte.

Es ist eine Entdeckung, die Saurierexperten in der ganzen Welt aufhorchen lässt. Im Juni fanden Forscher in einem Kalksteinbruch in Bernburg in Sachsen-Anhalt bemerkenswerte Spuren der ausgestorbenen Lebewesen und vermuteten schnell, dass sie etwas Außergewöhnliches vor sich hatten. «Das war schon eine Sensation, und uns war klar, dass das was Großes werden kann», sagt der Entdecker Cajus Diedrich.

Inzwischen ist belegt, dass die Spuren zwischen 243,5 bis 243,9 Millionen Jahre alt sind – damit sind Dinosaurier 15 Millionen Jahre älter als bislang angenommen. Bislang waren Dinosaurier und andere hochentwickelte Saurierarten erst aus der Obertrias bekannt, die vor knapp 229 Millionen Jahren begann. Aus der Untertrias vor mehr als 250 Millionen Jahren kennt man mit den Archosauriern nur urtümliche Reptilien.

Forscher können Wissenslücke schließen

«Woher die Saurier kamen? In dieser Beziehung herrschte bislang eine große Wissenslücke, denn aus der Mitteltrias gab es bislang weder Fährten- noch Skelettfunde von echten elefantenfüßigen Dinosauriern - die Evolution muss also irgendwo dazwischen stattgefunden haben», sagt Diedrich, der in Bernburg auch die Spuren eines Prosauropoden fand. «Mit den Funden von Bernburg ist nunmehr bewiesen, dass die Spezialisierung der Arten bereits in der Mitteltrias eingesetzt hat», sagt Diedrich. Der Geologe und Paläontologe sucht seit zwölf Jahren systematisch in Europa nach Saurierspuren.

Nachbildung eines T-Rex
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Im Rahmen eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) untersuchte Diedrich 150 Kalksteinbrüche und fand in 75 von ihnen Spuren, allerdings nur kleine. Als das DFG-Projekt fast zu Ende war, fand sein Kollege Frank Trostheide in Bernburg mittelgroße Spuren. «Dadurch kam der Stein erst ins Rollen», erzählt der Forscher. In einer Folgeaktion wurde im Herbst 2007 eine lange Raubsaurierspur freigelegt. Die Forscher wussten, dass sie etwas ganz Besonderes gefunden hatten. Bis dahin habe man noch keine so großen Spuren in Schichten aus dieser Zeit gefunden, sagt Diedrich. Doch der Fundort lag direkt vor der Abbruchkante des Steinbruchs. Der Betreiber wollte sprengen, die Bohrgeräte standen bereit.

Als die DFG nicht auf seinen Antrag auf Fortsetzung seines Forschungsprojekts reagierte, wandte sich Diedrich ans Landesamt für Archäologie und fand sowohl in dem Landesarchäologen Harald Meller als auch in Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz Unterstützer. Mit einem Grabungsteam durchforstete er im Juni ein Areal, so groß wie ein halbes Fußballfeld. Der Kalksteinbruch in Bernburg erwies sich als paläontologisches Paradies. Etliche Fährtenschichten übereinander fanden Diedrich und seine Mitarbeiter.

Saurier suchten im Watt nach Nahrung

«Zur Zeit der Saurier war hier ein Kalkwatt am Rande des germanischen Beckens», erklärt Diedrich. «Während der Ebbe fiel der Strand trocken, Salz- und Gipsablagerungen entstanden sogar im Meeresbecken.» In diesen bis zu 100 Kilometer großen Bereichen gingen die Saurier auf Nahrungssuche. Und hinterließen im feuchten Kalkwatt ewige Spuren, denn der von der Flut mit einem Schleimfilm überzogene Kalkboden trocknete bei 50 Grad in der Sonne schnell und konservierte sie.

In diesen Fährten fand Diedrich Knochen von Fischen, Haien, Schwimmsauriern. Allein die Vielzahl der Spuren bezeichnet Diedrich als Sensation. Neben den Fährten fanden die Paläontologen auch Knochen und Skelette. «Das macht Bernburg noch einmal international bedeutsam», erklärt Cajus Diedrich. «Normalerweise werden entweder Knochen gefunden oder Fährten. Hier können wir sogar hoffen, dass wir nach den Fährten auch irgendwo Knochenreste ihrer Erzeuger finden.»

«Hier in Mitteldeutschland wimmelte es vor Dinos»

Diedrich nahm die 20 Meter lange Raubsaurierfährte genauer in Augenschein. Er vermutet, dass sie von einer drei Meter langen, hochbeinigen Echse erzeugt wurde, die einem Krokodil ähnelte. Die Raubsaurierspur wird von einer Fährte eines elefantenfüßigen echten großen Dinos gekreuzt. «Ein einmaliger Fund», schwärmt Diedrich. Man könne sich vorstellen, wie sich die beiden begegnet seien.

Diedrich rettete Originalfährten aus fünf Zeithorizonten. «Wäre Herr Meller nicht gewesen, der alles koordiniert, politischen Schutz organisiert, ein Grabungsteam zur Verfügung gestellt und Geld eingeworben hat, dann wären die Spuren heute Straßenschotter», sagt der Forscher über die Zusammenarbeit mit dem sachsen-anhaltischen Amt. Er ist sich sicher, dass in Bernburg noch manche Überraschung schlummert. «Hier in Mitteldeutschland wimmelte es vor Dinos», schwärmt der Paläontologe. «Wir müssen unbedingt weiter graben.» Dafür allerdings stehen bislang weder Geld noch Stellen zur Verfügung. (Annette Schneider-Solis, AP)

 
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