01. Okt 2008 12:39
Warum werden manche Jugendliche gewalttätig und andere aus demselben Umfeld nicht? Britische Wissenschaftler haben Heranwachsende Computer spielen lassen - mit überraschendem Ergebnis.
Im menschlichen Organismus wird in stressvollen Situationen Cortisol ausgeschüttet, um unter anderem Emotionen zu regulieren und Aggressionen zu dämpfen. Bei verhaltensauffälligen Jugendlichen scheint das dagegen nicht der Fall zu sein. Die Forscher verglichen eine Reihe von Jugendlichen, von denen ein Teil in der Vergangenheit straffällig oder verhaltensauffällig geworden war. Die Jugendlichen mussten in einem Computerspiel gegen einen virtuellen, aggressiven Kontrahenten antreten. Als Gewinn winkte ein Geldbetrag. Währenddessen wurde per Speichelprobe der Cortisolspiegel gemessen. Das Spiel war so gestaltet, dass die Spieler in hohem Maße Stress, Frustration und Provokation durch den virtuellen Gegenspieler ausgesetzt waren.
Während bei den «normalen» Jugendlichen das Cortisol im Organismus um 48 Prozent anstieg, zeigten die verhaltensauffälligen Jungen einen Abfall des Hormonspiegels um ein Drittel. In Ruhesituation war die Konzentration des Stresshormons bei beiden Vergleichsgruppen dagegen gleich.
Die Forscher vermuten, dass die auffälligen Jugendlichen so sehr an stressige Situationen gewöhnt sein könnten, dass ihr Organismus das besänftigende Hormon nicht mehr vermehrt ausschüttet. Der Abfall des Hormonspiegels zeigte sich sowohl bei Jungen, die bereits in ihrer frühen Kindheit verhaltensauffällig waren, als auch bei Jugendlichen, die erst später auffällig oder gar delinquent wurden. Dies spreche für eine biologische und gegen eine soziale Ursache von Jugendgewalt, sagte Studienleiter Fairchild. Die Wissenschaftler wollen nun versuchen, den Mechanismus hinter der gestörten Stressreaktion aufdecken, um so eine Therapiemöglichkeit abzuleiten. Außerdem suchen sie nach bestimmten Markern im Blut, die es einmal ermöglichen könnten, Verhaltensauffälligkeit schon im frühen Kindesalter zu erkennen. (nz)