23.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Martin Luther
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Für den Hausgebrauch ist die Bibel bereits vor Martin Luther ins Deutsche übertragen worden. Augsburger Forscher beschäftigen sich derzeit mit einem besonderen Exemplar: Eine fast 700 Jahre alte Übersetzung.
Schon lange vor Martin Luther, der von 1483 bis 1546 lebte, sind Volksbibeln in die deutsche Sprache übersetzt worden. Derzeit werden an der Universität Augsburg die Handschriften einer 1320 entstandenen Übersetzung eines anonymen «Österreichischen Bibelübersetzers» bearbeitet.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, so berichtet Projektleiter Professor Freimut Löser, habe ein Laie im heutigen Österreich große Teile der Bibel in die Volkssprache seiner Zeit übersetzt. Die Bibel habe er dabei auch kommentiert und glossiert. In eigenen Schriften verteidigte der namenlose Übersetzer seine Arbeit vehement gegen damalige Angriffe orthodoxer Gegner. Gleichzeitig schieße er in umfangreichen Traktaten gegen Ketzer und Aberglauben, aber auch gegen die Juden.
«Das Werk dieses unbekannten Übersetzers ist eine, wenn nicht die zentrale Etappe der deutschen Bibel vor Luther», sagt Löser, der Ordinarius für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters ist. «Die Schriften sind ein hervorragendes Beispiel für die Volkssprache und ein Quellenwerk für Historiker», betont sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Klaus Wolf.
Fromme übersetzen nur TeileDer Anonymus muss wohl, so die Forscher, einen oder mehrere einflussreiche und vermögende Gönner gehabt haben, die ihn unterstützten und schützten, meinen die Wissenschaftler. Es habe der damaligen Frömmigkeit entsprochen, nur Teile der Heiligen Schrift zu übersetzen. In Hauskreisen sei daraus vorgelesen worden.
Wolf erläutert, dass es damals zum guten Ton gehört habe, zumindest einen Teil der Bibel vorzeigen zu können. Die Bibel sei auch nicht als einheitliches Werk gesehen worden, sondern in Teilen gelesen und deshalb auch «gestückelt» verbreitet worden. Im kommenden Jahr wollen die Augsburger Germanisten die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichen, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit Sachmitteln unterstützt wird. (Lutz Neumann, epd)