«Jules Verne» dockt von ISS ab:
Ein Raumschiff wird zur Müllverbrennungsanlage
07.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
In der Atmosphäre erwartet «Jules Verne» bald ein heißer Empfang. Am 29. September soll Europas komplexestes und innovativstes Raumschiff planmäßig beim Wiedereintritt über dem Pazifik verglühen. Es übernimmt damit in der letzten Lebensphase wieder eine andere Rolle: vom Transporter zum Müllschlucker bis zur Müllverbrennungsanlage.
Auch die letzten Minuten werden genau beobachtet. Wissenschaftler wollen mit Spezialkameras filmen, wie sich das rund 350 Millionen Euro teure High-Tech-Gerät unter dem Einfluss der Reibungshitze in seine Einzelteile zerlegt.
«Das ist super gelaufen» freut sich jetzt Rachid Amekrane für die Konstrukteure bei EADS, dem Bremer Raumfahrtunternehmen OHB und in den beteiligten Ländern der Europäischen Weltraumorganisation Esa. «Die Nasa hat uns mit Respekt zu unserem Erfolg gratuliert. Als Europäer können wir stolz und zufrieden sein.»
Neben der Transportaufgabe hatte das ATV noch eine weitere Funktion: Die ständig absinkende ISS muss regelmäßig auf eine höhere Umlaufbahn angehoben werden. «Jules Verne» hat das viermal erledigt und gab jedes Mal einen Schubser von 20 Kilometern Höhe. Auf «Jules Verne» sollen vier weitere «ATV» folgen - und die Esa schließt Nachbestellungen nicht aus.
Die ersten Vorstudien laufen bereits für ein ATV der Zukunft, das Advanced Return Vehicle (ARV). Es soll auf dem Rückflug nicht mehr schnöde verglühen, sondern an einem Fallschirm im Atlantik landen. «Das ARV fliegt dann in seiner ersten Version nur mit Fracht, aber es wird für den späteren Transport auch von Astronauten konzipiert», sagt Entwicklungsleiter Christian Bank bei EADS. Wenn die Esa-Staaten grünes Licht geben, könnte das neue ARV im Jahr 2015 Fracht von der ISS zur Erde zurückbringen, hofft Bank. «Bis 2018/19 könnten die technischen Voraussetzungen für eine bemannte Version stehen.» (Hans-Christian Wöste, dpa)

