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«Jules Verne» dockt von ISS ab: 

Ein Raumschiff wird zur Müllverbrennungsanlage

07. Sep 2008 12:44
Duales System im Weltall: Vom Nachschublieferanten zum Müllfahrzeug
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Auf der ISS war der Transporter als Schlafzimmer beliebt. Nun hat er noch eine letzte Mission vor sich: «Jules Verne» soll gebrauchte Unterwäsche, Plastik-Abfall und Urin fachgerecht entsorgen.

Nach sechs Monaten im All nimmt Europas erster Weltraumtransporter «Jules Verne» wieder Kurs auf die Erde. Das unbemannte ATV (Automated Transfer Vehicle) war im April gestartet und hatte tonnenweise kostbaren Treibstoff und Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS gebracht. Nach erfolgreicher Mission koppelte es dort in der Nacht zum Samstag automatisch wieder ab.

Die Astronauten brauchten nur zuzuschauen und keinen Finger rühren. Auf dem Rückflug ist die Fracht weniger wertvoll: Schmutzige Handtücher, Unterwäsche, Plastikmüll und Urin rasen derzeit im ATV auf die Erde zu.

In der Atmosphäre erwartet «Jules Verne» bald ein heißer Empfang. Am 29. September soll Europas komplexestes und innovativstes Raumschiff planmäßig beim Wiedereintritt über dem Pazifik verglühen. Es übernimmt damit in der letzten Lebensphase wieder eine andere Rolle: vom Transporter zum Müllschlucker bis zur Müllverbrennungsanlage.

Auch die letzten Minuten werden genau beobachtet. Wissenschaftler wollen mit Spezialkameras filmen, wie sich das rund 350 Millionen Euro teure High-Tech-Gerät unter dem Einfluss der Reibungshitze in seine Einzelteile zerlegt.

Ziel nur zehn Zentimeter groß

«Das schafft ihr nie», erinnert sich Rachid Amekrane an frühere Reaktionen, als sein Projekt beim Raumfahrtkonzern EADS in Bremen begann. Der ATV-Service-Manager und seine Kollegen mussten eine äußerst komplexe Flugsoftware entwickeln. «Jules Verne» sollte auf seinem Erstflug in 340 Kilometern Höhe über der Erde bei einem Tempo von fast 30.000 Kilometern pro Stunde automatisch ein nur zehn Zentimeter großes Ziel treffen - den Andockpunkt der Internationalen Raumstation. Doch es klappte alles nach Plan.

«Das ist super gelaufen» freut sich jetzt Rachid Amekrane für die Konstrukteure bei EADS, dem Bremer Raumfahrtunternehmen OHB und in den beteiligten Ländern der Europäischen Weltraumorganisation Esa. «Die Nasa hat uns mit Respekt zu unserem Erfolg gratuliert. Als Europäer können wir stolz und zufrieden sein.»

Als ISS-Schlafzimmer beliebt

Nach dem selbstständigen Andocken war der automatische Frachtflieger fünf Monate fester Teil der Raumstation - und beliebt bei der Crew: Der Russe Oleg Kononenko verbrachte mehrere Nächte in dem geräumigen Gefährt. Normalerweise müssen sich Astronauten und Kosmonauten täglich ein freies Plätzchen suchen und sich in der Schwerelosigkeit mit Klettband stabilisieren.

Neben der Transportaufgabe hatte das ATV noch eine weitere Funktion: Die ständig absinkende ISS muss regelmäßig auf eine höhere Umlaufbahn angehoben werden. «Jules Verne» hat das viermal erledigt und gab jedes Mal einen Schubser von 20 Kilometern Höhe. Auf «Jules Verne» sollen vier weitere «ATV» folgen - und die Esa schließt Nachbestellungen nicht aus.

Die ersten Vorstudien laufen bereits für ein ATV der Zukunft, das Advanced Return Vehicle (ARV). Es soll auf dem Rückflug nicht mehr schnöde verglühen, sondern an einem Fallschirm im Atlantik landen. «Das ARV fliegt dann in seiner ersten Version nur mit Fracht, aber es wird für den späteren Transport auch von Astronauten konzipiert», sagt Entwicklungsleiter Christian Bank bei EADS. Wenn die Esa-Staaten grünes Licht geben, könnte das neue ARV im Jahr 2015 Fracht von der ISS zur Erde zurückbringen, hofft Bank. «Bis 2018/19 könnten die technischen Voraussetzungen für eine bemannte Version stehen.» (Hans-Christian Wöste, dpa)

 
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