04. Sep 2008 13:34
Verleitet eine Waffe zum Selbstmord oder tendieren Waffenbesitzer eher dazu, sich umzubringen? Zwei Harvard-Wissenschaftler wollen dem Zusammenhang von Waffen und Selbstmorden auf den Grund gehen.
Die Statistik bei anderen Selbsttötungen beispielsweise durch eine Medikamentenüberdosis ist indes in allen Staaten etwa auf gleichem Niveau, berichten die beiden Wissenschaftler. Das widerspricht dem üblichen Argument der US-Waffenlobby, dass jemand, der sich mit einer Waffe umbringt, auch andere Wege in den Freitod gefunden hätte. Nach Meinung der Autoren ist der Selbstmord aber eine impulsive Handlung. «Wenn Menschen eine Waffe benutzen, gibt es keine zweite Chance, bei Tabletten sehr wohl», sagt Autor Miller. Bereits frühere Studien hatten ergeben, dass das Selbstmordrisiko in Haushalten mit einer Waffe um ein zwei bis zehnmal höher ist. Ko-Autor Hemenway fordert deswegen härtere Auflagen für Waffenbesitzer: «Ändern wir das Umfeld, so dass die Menschen weniger dumme Dinge tun können und sie werden weniger dumme Dinge tun», sagt Hemenway.
Nicht alle sehen allerdings einen zwingenden Zusammenhang zwischen Waffenbesitz und Selbstmordrate. «Diese Studien zeigen zwar alle einen gewissen Zusammenhang, sie beweisen aber nicht die Kausalität», kommentierte Wirtschaftsforscherin Karen Norenberg vom National Bureau of Economics Reasearch im Wissenschaftsmagazin New Scientist. Möglicherweise erklären andere Unterschiede zwischen Waffenbesitzern und anderen Menschen die Zusammenhänge in den Selbstmordstatistiken.Im Jahr 2005 haben 32.600 Menschen den Freitod gewählt. Etwa die Hälfte davon hat Handfeuerwaffen benutzt. Etwa 90 Prozent der Selbstmorde werden durch weiße Amerikaner verübt. Rund 4000 davon waren junge Menschen unter 24 Jahren. (nz)