03.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bewegung schlägt Medikament
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Sich regen bringt Segen - eigentlich schon eine Binsenweisheit, aber sie kann nicht häufig genug wiederholt werden. Mediziner haben nun herausgefunden, dass schon wenig Bewegung auch die Gedächtnisleistung steigert.
Was ist nicht schon alles über die Heilkraft der Bewegung geschrieben worden: Depression, Krebs, Herzkreislauffunktion und viele andere so genannter Zivilisationsleiden lassen sich durch Bewegung positiv beeinflussen. Wie sehr uns das durch den modernen Lebensstil induzierte Nichtbewegen krank macht, zeigt eine neue Studie, die im «Journal of the American Medical Association» (JAMA, Bd. 9, S. 1027) veröffentlicht wurde: Schon 2,5 Stunden Sport pro Woche kann Gedächtnisverlust bei älteren Menschen spürbar bremsen. Australische Forscher hatten 138 Menschen ab 50 Jahren beobachtet, die zu Beginn der Studie von Erinnerungsproblemen berichteten aber noch keine krankhafte Demenz aufwiesen.
Die eine Gruppe wurde zunächst sechs Monate lang zu dreimal 50 Minuten leichtem Sport pro Woche aufgefordert. Die meisten Menschen gingen spazieren. Diese Probanden trieben im Endeffekt wöchentlich 142 Minuten oder täglich 20 Minuten mehr Sport als die Vergleichsgruppe. Ein positiver Effekt auf das Gedächtnis habe sich bereits nach 6 Monaten gezeigt, berichten die Forscher um Nicola Lautenschlager von der Universität Melbourne.
Die kognitiven Funktionen der Probanden waren über einen Zeitraum von 18 Monaten mit einem standardisierten Test für Alzheimerpatienten überprüft worden. Die Skala ADAS-cog (Alzheimer's Disease Assessment Scale - cognitive subscale) reicht laut deutschen Kompetenznetz Demenzen von 0 (gesund) bis 70 (schwere Demenz). Gemessen werden Gedächtnis, Orientierung, Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen, Sprache und praktische Fähigkeiten.
Die Probanden der Sportgruppe schnitten auf der Alzheimerskala durchschnittlich um 0,69 Punkte besser ab als die Vergleichsgruppe. Dies sei zwar gering, schreibt Studienleiterin Lautenschläger, aber möglicherweise bedeutend, wenn man die insgesamt nur relativ geringe Bewegung der Sportgruppe in Betracht ziehe. Der Erfolg sei zudem höher als bei herkömmlichen Medikamenten. Nach Angaben der Forscher gibt es derzeit weltweit 27 Millionen Alzheimerkranke. Bis 2050 könnten es 106 Millionen sein. (nz/dpa)