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Fröhliche Lobbyisten: 

Multitasking mit Kaugummi

13. Sep 2008 09:00
Schon 1949 war der Kaugummi eine ganz große Nummer
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Endlich wird mit einem Vorurteil aufgeräumt. Kaugummi ist nicht schädlich, im Gegenteil: Es hilft gegen Stress und macht leistungsfähiger. Das behaupten Wissenschaftler in einer Studie. Und: Kaugummi ist auch noch gut gegen Karies.

Auf dem zehnten Internationalen Kongress der Verhaltensmedizin ist Erstaunliches bekanntgegeben worden: Kaugummikauen hilft gegen Stress und erhöht die Leistungsfähigkeit enorm. Projektleiter Andrew Scholey, Professor für «Behavioral and Brain Science» an der Universität Melbourne, präsentierte auf der Tagung in Tokyo seine Ergebnisse.

Die Lobby ist mit dabei

Bei genauerem Hinsehen stellt sich allerdings heraus, dass hier - wie so oft - die Lobby mit von der Partie ist. Gilbert Leveille ist Geschäftsführer am «Wrigley Science Institute» und präsentierte die Studie mit Scholey zusammen. Als Ansprechpartner wird vom Wissenschafts-Internetdienst EurekAlert nicht etwa die Universität genannt, sondern Frau Denise Young von Wrigley - dem weltweit größten Hersteller von Kaugummi.

Das «Wrigley Science Institute» widmet sich derzeit vorallem vier Forschungsgebieten rund um die heilsame Wirkung des Kaugummis: Stressabbau, Gewichtsverlust, Konzentrationssteigerung und die Förderung der oralen Hygiene.

Orale Hygiene

Das Kaugummi das Kariesrisiko senkt, ist bereits in vielen Studien nachgewiesen worden. Der Hinweis auf die besonders zahnschonende und -schützende Eigenschaft zuckerfreier Kaugummis hingegen ist ein reiner Marketinggag. Zu dieser Ansicht gelangt Jutta Muth vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (Eule).

Der antikariöse Effekt ist im gleichen Umfang bei Kaugummi mit Zucker zu beobachten, denn die Wirkung beruht auf dem Kauen. Muth zitiert Studien, nach denen der Rückgang der Karies durch Kaugummikauen etwa ein Drittel beträgt – egal ob die Kaugummis Zucker oder einen Zuckeraustauschstoff wie Xylit oder Sorbit enthielten. Zahnmediziner sehen die pflegende Funktion des Kauens im Speichelfluss, der den Zahnschmelz remineralisiert.

Stressabbau und Multitasking

Aber zurück zur Studie von Schloley: In einem Laborversuch wurden 40 Personen in einer «Defined Intensity Stressor Simulation» (Diss) getestet. Dieser Versuchsaufbau setzt die Personen unterschiedlichen Stress-Situationen aus, während derer sie verschiedene Aufgaben lösen müssen. Kauer und Nichtkauer wurden vor und nach dem Absolvieren der Diss getestet.

Die Kaugummikauer waren während der Versuchssituation 17 Prozent weniger aufgeregt. Ihre Aufmerksamkeit war ebenfalls deutlich gesteigert (19 Prozent). Der Stresslevel wurde anhand des im Speichel vorhandenen Cortisols ermittelt. In Psychologie und Medizin ist dieses Verfahren eine gängige Methode zur Quantifizierung von Stress. In Scholeys Studie zeigte sich bei den Kauern ein zwischen zwölf und 16 Prozent niedrigeres Stressniveau.

109-prozentige Steigerung

Und damit nicht genug, auch die Leistungsfähigkeit der Versuchsteilnehmer stieg – und zwar, bei leichtem Stress, um sagenhafte 109 Prozent. Galt das Kaugummi gerade im Schulunterricht lange als verpönt, eröffnen die Befunde von Scholey ungeahnte Möglichkeiten für die schulische Wissensvermittlung.

Kaugummi ist ungesund - diese Sichtweise ist nun endgültig überholt. Ob mit oder ohne Zucker: Kaugummi scheint auf dem besten Weg zur konventionellen Wunderwaffe im täglichen Krieg mit dem Stress und den Anforderungen des modernen Lebens zu sein - Zumindest wenn man den Ergebnissen des «unabhängigen» «Wrigley Science Institute» folgen will.



 
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