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Entwicklung des Gerechtigkeitssinns: 

Ego-Trip endet mit Schulbeginn

27. Aug 2008 19:26
Meine Schaufel, mein Eimerchen, meine Schokolade
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Der Wunsch, Ungleichbehandlungen zu verhindern, unterscheidet den Menschen von anderen Tieren. Doch selbstloses Verhalten scheint nicht angeboren, wie eine Studie zeigt. Kleinkinder teilen ungern.

Einen Sinn für Gerechtigkeit und eine Abneigung gegen Ungleichbehandlung entwickeln Kinder erst im Alter von sieben bis acht Jahren. Wie entsprechende Experimente zeigen, teilen sie Süßigkeiten dann meist gerecht mit anderen Kindern, vor allem wenn sie diese kennen. Jüngere Kinder von drei bis vier Jahren hingegen denken in erster Linie an sich selbst und verhalten sich egoistisch, berichten Forscher aus der Schweiz und aus Deutschland im britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 454, S. 1079).

Ernst Fehr von der Universität Zürich und seine Mitarbeiter hatten insgesamt 229 Kinder zwischen drei und acht Jahren zu einer Reihe spielerischer Experimente aufgefordert. Spieleinsatz waren die für Kinder wohl kostbarsten Güter: Süßigkeiten. Jeweils ein Kind musste nun entscheiden, wie es eine festgelegte Menge von Süßigkeiten mit einem anderen nicht anwesenden Kind teilte. Sie bekamen zum Beispiel die Wahl zwei Schokolinsen für sich zu behalten und dem anderen Kind keines abzugeben oder die beiden Schokodrops eins zu eins untereinander zu teilen.

Drei- bis vierjährige Kinder verhielten sich in diesem Versuch nun fast ausnahmslos selbstsüchtig und behielten die Schokolinsen für sich. Im Alter von fünf bis sechs Jahren teilten immerhin schon rund ein Fünftel der kleinen Probanden ihre Süßigkeiten. Aber erst mit sieben, acht Jahren teilte fast die Hälfte der Kinder gerecht. Diese Gruppe begann mehr und mehr, an andere zu denken, das zeigten auch weitere Experimente. Sie entwickelten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sorgten dafür, dass ihr Spielpartner nicht mehr, aber auch nicht weniger bekam als sie selber.

Selbstlos an andere zu denken und bevorzugt mit Freunden oder Familienmitgliedern zu teilen seien Verhaltensweisen, die für den Menschen kennzeichnend seien, schreiben die Forscher. Schon die Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften seien darauf angewiesen gewesen, ihre Beute miteinander zu teilen. Zumindest zum Teil sei die Entstehung solcher Verhaltensweisen folglich vermutlich genetisch festgelegt. Andererseits förderten Kultur und Erziehung ihr Entstehen. So lernten kleine Kinder vom Kindergarten bis zur Schule, dass die Erzieher und Lehrer Gleichbehandlung und Gerechtigkeit gutheißen, diese Verhaltensweisen also gewünscht sind.

Der Wunsch, Ungleichbehandlungen zu verhindern, unterscheide uns von anderen Tieren und auch von unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, schreiben die Forscher. Diese teilten ihr Futter in der Regel nicht mit anderen und blieben ihr Leben lang eher selbstsüchtig. Kapuzineraffen hingegen scheinen einer aktuellen Untersuchung zufolge durchaus auch an andere zu denken: Vor die Wahl gestellt, nur sich selbst oder auch einen Partner mit Futter zu versorgen, entscheiden sich die Tiere meist für die letztere, soziale Variante. Ähnlich wie Menschen scheint es den Affen Freude zu bereiten, anderen etwas Gutes zu tun, folgern die Forscher in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften. (dpa)

 
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