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Weltkrebskongress: 

Das große Missverständnis Krebs

27. Aug 2008 08:03
Diagnose Lungenkrebs
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Seit den 70er Jahren hat die Medizin enorme Fortschritte im Kampf gegen den Krebs gemacht. Doch das Wissen der Bevölkerung über die tückische Erkrankung weist nach wie vor gefährliche Lücken auf.

Feinstaub? Rauchen? Schwermetalle im Trinkwasser? Alkohol oder eine ungesunde Ernährung - welche dieser Faktoren ist tatsächlich ein ernst zu nehmendes Krebsrisiko? Viele Menschen schätzen ihre persönliche Krebsgefahr vollkommen falsch ein, wie eine weltweite Umfrage anlässlich der am Mittwoch in Genf startenden Weltkrebskongress ergeben hat.

Die Marktforschungsinstitute Roy Morgan Research und Gallup International haben im Auftrag der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (UICC) knapp 30.000 Menschen in 29 Ländern befragt und erstaunliche Ergebnisse bekommen, die eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung von Krebsrisiken in reicheren und ärmeren Ländern aufdeckt.

So nehmen zum Beispiel 42 Prozent der Befragten in reicheren Ländern Alkohol nicht als Krebsrisiko wahr. In Ländern mit mittleren Einkommen, wie China, Guatemala oder Indonesien, waren lediglich 26 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Alkoholkonsum keinen Einfluss auf das Krebsrisiko hat – in ärmeren Ländern gar nur 15 Prozent. Tatsächlich aber hebt ein hoher Alkoholkonsum deutlich das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Die Befragten in den reicheren Ländern sehen dagegen höhere Krebsgefahr durch Stress und Luftverschmutzung als durch Alkoholkonsum. Eine völlige Fehlwahrnehmung, denn während es für Stress keine Verbindung zu einem höheren Krebsrisiko gibt, hebt Luftverschmutzung das Erkrankungsrisiko nur unwesentlich an. Grundsätzlich schätzen die Befragten aller Länder äußere Einflüsse wie Luftverschmutzung als ein höheres Krebsrisiko ein als Faktoren, auf die sie selbst einen Einfluss haben, wie etwa Übergewicht oder Alkoholkonsum.

Aber auch in Ländern mit mittleren und niedrigen Einkommen gibt es ein gefährliches Unwissen über Krebs. In ärmeren Ländern glaubte knapp die Hälfte der Befragten, dass bei einer Krebserkrankung nicht viel getan werden könne. In Ländern mit mittleren Einkommen waren es immerhin noch 39 Prozent. Nach Meinung der UICC sind diese Zahlen besonders besorgniserregend, da dadurch viele Menschen auch Krebsvorsorgeprogramme ignorierten, die sehr wichtig für die Behandelbarkeit von Krebs sind. Nichts erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Krebstherapie mehr als eine frühe Erkennung der Erkrankung.

«Konsequente Prävention verhindert Krebs»

Überhaupt legen die Bewohner ärmerer Länder ihr gesundheitliches Schicksal lieber in die Hände eines Arztes. So sagten 75 Prozent der Befragten, dass allein ihr Doktor entscheide, welche Medikamente zu nehmen seien. In den reicheren Ländern wollen dagegen 72 Prozent der Befragten mindestens ein Mitspracherecht oder die Alleinverantwortung für Therapieentscheidungen. In den reicheren Ländern ist allerdings auch das Wissen um die Behandlungsmöglichkeiten ungleich größer. Hier sagten lediglich 17 Prozent, dass sie nur wenig über Therapien wüssten.

«Die Umfrage enthüllt eine Menge bisher ungehörter Botschaften», sagt der designierte Chef der UICC, David Hill. Die Regierungen der Welt hätten nun stichhaltige Daten, um Krebsvorsorgeprogramme an die Wahrnehmung der Bevölkerung anzupassen. Auf Grundlage der Studienergebnisse wolle der Weltkrebskongress nun beraten, wie sichergestellt werden kann, dass das Wissen um Krebs bei allen Menschen auf der Welt zunimmt.

Konsequente Prävention verhindere wahrscheinlich mehr Krebs als alle Forschung zusammen, sagt auch Otmar Wiestler, der Vorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums. Aber auch durch den medizinischen Fortschritt sei Krebs nicht mehr gleichbedeutend mit einem Todesurteil, ergänzt Wiesler im Gespräch mit der «Süddeutschen Zeitung». «Etwa 50 Prozent der Patienten können dauerhaft geheilt werden, in den 70er Jahren waren es nur etwa 25 Prozent.» (nz)

 
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