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Beobachtung auf Google Earth: 

Der Kompass in der Kuh

26. Aug 2008 08:52
Wo ist Norden?
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Nicht nur Insekten und Vögel haben einen Sinn für den Erdmagnetismus. Auch größere Säugetiere orientieren sich mit einem inneren Kompass.

Haben Kühe einen sechsten Sinn? Beim Fressen und Schlafen orientieren sich die Huftiere nahezu auf der ganzen Welt mit Vorliebe in Nord-Süd-Richtung, wie Forscher der Universität Duisburg-Essen beobachtet haben. Ihre Auswertung von Satellitenbildern aus dem Internet legt nahe, dass Kühe über einen bislang unbekannten Magnetsinn verfügen könnten. «Wir haben uns vier Monate lang Kühe bei Google Earth angeschaut», berichtete die Essener Biologin Sabine Begall am Montag. Insgesamt mehr als 8500 Tiere auf 308 Weiden in Nord- und Südamerika, Russland, Australien, Afrika und Asien. «Darunter auch heilige Kühe in Indien.»

Ihre Ergebnisse haben die deutschen Forscher jetzt im Fachblatt «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften veröffentlicht. Die Hintergründe des Kuh-Verhaltens sind derzeit jedoch noch völlig unklar. Eine Rolle spielen könnte die Ausrichtung etwa bei bestimmten physiologischen Prozessen im Körper der Kuh wie der Milchproduktion, vermuten die Forscher. Vielleicht sei der Magnetsinn auch schlicht ein Überbleibsel aus früheren Zeiten, in denen Herdentiere eine Orientierung bei Wanderungen über größere Strecken brauchten.

«Mein Mann hat vorgeschlagen, die Studie mit dem Titel «Sogar Kühe praktizieren Feng Shui» zu überschreiben», berichtete Begall scherzhaft. In der altchinesischen Lehre wird auf die Ausrichtung an den Himmelsrichtungen traditionell großer Wert gelegt. Ob man die Ergebnisse künftig etwa beim Bau besonders tierfreundlicher Ställe in Nord-Süd-Ausrichtung nutzen könne, müssten weitere Forschungen zeigen.

Bekannt ist ein Magnetsinn etwa bei Vögeln und Insekten. Erstmals bei Säugetieren nachgewiesen wurde ein Magnetsinn bereits Ende der 1980er Jahre von Essener Forschern bei dem afrikanischen Graumull. Das kleine Nagetier nutzt den Sinn zur Ausrichtung seiner unterirdischen Behausung. Wird das Magnetfeld bei Versuchen im Labor künstlich verändert, reagiert der kleine Nager und baut sein Nest anders. Bei weiteren Arbeiten fanden Forscher auch bei weiteren Nagetieren sowie bei Fledermäusen einen Magnetsinn.

«Daraufhin ist die Idee entstanden, auch größere Säugetiere auf einen Sinn für Magnetismus zu untersuchen», berichtete Begall. Die bei den Kühen mit Hilfe von Google Earth gefunden Ergebnisse seien «hoch signifikant». Dabei könne man die Einflüsse von Wind und Sonne auf das Verhalten der Tiere weitgehend ausschließen. «Wenn sich die Tiere etwa nach der Sonne ausgerichtet hätte, hätte sich dies je nach der Uhrzeit ändern müssen», sagte Begall.

Bei Beobachtungen tschechischer Wissenschaftler fand sich die Nord-Süd-Vorliebe auch bei Rehen und Hirschen, die ihre Schlafplätze im geschützten Unterholz mit Vorliebe in dieser Ausrichtung wählten. Den Sitz des Magnetsinns bei Säugetieren vermuten die Forscher in der Hornhaut des Auges. Verantwortlich dafür könnten eisenhaltige Partikel im Auge sein, erläuterte Begall.

Nach den Kühen wollen die Essener Forscher nun auch den möglichen Magnetsinn von anderen großen Säugetieren wie Pferden, Wildschweinen oder Schafen erforschen. Ob auch der Mensch über diese besondere Fähigkeit verfügt, sei jedoch besonders schwierig zu erforschen, betonte Begall. «Wir haben daran gedacht, schlafende Camper etwa bei Musikfestivals zu untersuchen.» (Uta Knapp, dpa)

 
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