Beobachtung auf Google Earth:
Der Kompass in der Kuh
«Mein Mann hat vorgeschlagen, die Studie mit dem Titel «Sogar Kühe praktizieren Feng Shui» zu überschreiben», berichtete Begall scherzhaft. In der altchinesischen Lehre wird auf die Ausrichtung an den Himmelsrichtungen traditionell großer Wert gelegt. Ob man die Ergebnisse künftig etwa beim Bau besonders tierfreundlicher Ställe in Nord-Süd-Ausrichtung nutzen könne, müssten weitere Forschungen zeigen.
Bekannt ist ein Magnetsinn etwa bei Vögeln und Insekten. Erstmals bei Säugetieren nachgewiesen wurde ein Magnetsinn bereits Ende der 1980er Jahre von Essener Forschern bei dem afrikanischen Graumull. Das kleine Nagetier nutzt den Sinn zur Ausrichtung seiner unterirdischen Behausung. Wird das Magnetfeld bei Versuchen im Labor künstlich verändert, reagiert der kleine Nager und baut sein Nest anders. Bei weiteren Arbeiten fanden Forscher auch bei weiteren Nagetieren sowie bei Fledermäusen einen Magnetsinn.
«Daraufhin ist die Idee entstanden, auch größere Säugetiere auf einen Sinn für Magnetismus zu untersuchen», berichtete Begall. Die bei den Kühen mit Hilfe von Google Earth gefunden Ergebnisse seien «hoch signifikant». Dabei könne man die Einflüsse von Wind und Sonne auf das Verhalten der Tiere weitgehend ausschließen. «Wenn sich die Tiere etwa nach der Sonne ausgerichtet hätte, hätte sich dies je nach der Uhrzeit ändern müssen», sagte Begall.
Bei Beobachtungen tschechischer Wissenschaftler fand sich die Nord-Süd-Vorliebe auch bei Rehen und Hirschen, die ihre Schlafplätze im geschützten Unterholz mit Vorliebe in dieser Ausrichtung wählten. Den Sitz des Magnetsinns bei Säugetieren vermuten die Forscher in der Hornhaut des Auges. Verantwortlich dafür könnten eisenhaltige Partikel im Auge sein, erläuterte Begall.
Nach den Kühen wollen die Essener Forscher nun auch den möglichen Magnetsinn von anderen großen Säugetieren wie Pferden, Wildschweinen oder Schafen erforschen. Ob auch der Mensch über diese besondere Fähigkeit verfügt, sei jedoch besonders schwierig zu erforschen, betonte Begall. «Wir haben daran gedacht, schlafende Camper etwa bei Musikfestivals zu untersuchen.» (Uta Knapp, dpa)

