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Archäologische Sensation: 

Troja war viel größer als vermutet

19. Aug 2008 20:40
Ausgrabungsleiter Ernst Pernicka erklärt seine Entdeckung
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Es war nur ein kleiner Graben, der die Forscher zu neuen Erkenntnissen und neuen Funden führte. Nun ist sich der Ausgrabungsleiter sicher: Troja «war schon eine sehr große Residenzstadt».

Die legendäre antike Stadt Troja war deutlich größer als bisher angenommen. Der Leiter der Ausgrabungen, Ernst Pernicka, sagte am Dienstag in Troja, der Verlauf eines spätbronzezeitlichen Verteidigungsgrabens belege nun eindeutig die weitläufige Ausdehnung.

Die Archäologen fanden vor wenigen Tagen bei einem Geländeschnitt im Nordosten der Stadt die lange gesuchte Fortsetzung des Grabens. Bisher waren die Forscher davon ausgegangen, dass Troja in der Bronzezeit maximal 27 Hektar groß war. Nun könnte die Fläche bis zu 35 Hektar betragen.

Rätselhaftes Gefäß

Außerdem entdeckten die Archäologen eine kleine Sensation: Jenseits des Grabens wurde ein von Steinen überdeckter sogenannter Pithos - ein gebranntes, in die Erde eingegrabenes Tongefäß - sowie spätbronzezeitliches Straßenpflaster gefunden. Was in dem Gefäß ist, muss noch untersucht werden. Es soll noch in diesem Jahr geöffnet werden.

Die Trojaner könnten es nach Pernickas Worten für Vorräte, aber auch für eine Bestattung genutzt haben. Er fügte hinzu: «Ein reines Vorratsgefäß wurde man vermutlich nicht mit Steinen bedeckt haben.»

Der Troja-Forscher sagte: «Wir haben jetzt 500 Meter außerhalb der Burg eine Besiedelung nachgewiesen. Das war schon eine sehr große Residenzstadt.» Die Ausdehnung Trojas und seine Bedeutung in der Bronzezeit war in der Wissenschaft lange Zeit heftig umstritten. Pernicka sagte: «Es war ein Zentrum in einem kleinen Fürstentum, das eine Gesamtfläche von 200 bis 300 Quadratkilometern umfasst haben dürfte.»

Hoffnung auf ein neues Museum

Der Wissenschaftler ist auch überzeugt, dass das lange geplante archäologische Museum in Troja kurz vor der Verwirklichung steht. Er schätzt die Baukosten für das Museum auf 20 bis 50 Millionen Euro.

Der türkische Kulturminister Ertugrul Günay habe bei seinem Besuch vor kurzem versichert, dass dieses Vorhaben für ihn Vorrang genieße und er dafür auch Geld in seinem Etat zur Verfügung habe. Nach dem bisher für diesen Herbst geplanten Ende der Ausgrabungen hoffen die Wissenschaftler, in dem Museum auch eine Forschungsstation zur Auswertung der Funde der vergangenen 20 Jahre einzurichten.

Der Gouverneur der Provinz Canakkale, Orhan Kirli, sagte: «Ich bin sehr optimistisch, dass wir dieses Projekt beginnen.» Noch in diesem Jahr könne ein von der türkischen Regierung finanzierter internationaler Architektenwettbewerb für den Museumsbau ausgeschrieben werden. Die Gelder dafür sind nach Pernickas Informationen auf dem Weg.

Kirli äußerte die Hoffnung, dass die gesamte Region davon profitieren werde. Denn der Tourismus, der gegenwärtig etwa ein Zehntel der regionalen Wirtschaftskraft ausmache, könnte in der Folge einen deutlichen Aufschwung erleben. (dpa)

 
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