Trotz Krebsrisiko:
Frauen paffen weiter
25.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Besonders Frauen rauchen mehr
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Trotz Warnungen auf der Verpackung wird weiter zum Glimmstängel gegriffen. Und immer häufiger von Frauen. Das führt zu einer dramatischen Zunahme der Lungenkrebspatientinnen, befürchten Experten.
Die Zahl der Lungenkrebsfälle wird nach Prognosen von Experten in den nächsten Jahren dramatisch steigen. Betroffen von der bedrohlichen Entwicklung sind vor allem Frauen, wie Alexander Katalinic vom Institut für Krebsepidemiologie in Lübeck in der «Deutschen Medizinischen Wochenschrift» berichtet. Ein konsequenter Nichtraucherschutz könnte nach seinen Worten den Anstieg noch abschwächen.
Der Wissenschaftler stützt seine Vorhersage auf eine Analyse des seit 1998 existierenden Krebsregisters Schleswig-Holstein. Dort habe sich in den Jahren 1999 bis 2004 ein aus anderen Untersuchungen bekannter Trend fortgesetzt: Während bei Männern das Bronchialkarzinom langsam seltener werde, steige die Zahl der Neuerkrankungen bei Frauen deutlich an. Betroffen sei vor allem die Gruppe der 60- bis 69-jährigen Frauen: Hier sei es in dem Untersuchungszeitraum zu einem Anstieg um 38 Prozent gekommen.
Todesursache Nummer vierDer Epidemiologe geht davon aus, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, da derzeit noch mehr Männer rauchen als Frauen - und bei Männern aber der Anteil zurückgeht und bei Frauen ansteigt. Rauchen ist der Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs, weshalb heute Männer fast dreifach häufiger als Frauen an Lungenkrebs erkranken. Auf 100.000 Männer kommen laut Katalinic pro Jahr 96 Neuerkrankungen, bei Frauen sind es nur 39. Der Experte befürchtet, dass sich diese Zahlen allmählich annähern werden.
Hinzu komme die demografische Entwicklung, erklärt Katalinic: Der Anteil der Bevölkerung im Durchschnittsalter für Lungenkrebs, nämlich rund 67 Jahre, nehme stetig zu. Im ungünstigsten von drei Szenarien, würde die Zahl der Lungenkrebsfälle bei Frauen bis 2020 um 74 Prozent ansteigen, im günstigsten Fall nur um 22 Prozent. Bei Männern könnte es zu einer Zunahme um 42 Prozent kommen. Im günstigen Szenario wäre jedoch auch ein Rückgang um acht Prozent möglich.
Krebs wird zu spät endecktWelches dieser Szenarien eintritt, wird dem Forscher zufolge langfristig auch von der Wirkung der aktuellen Gesetze zum Nichtraucherschutz abhängen. Mit über 40.000 Todesfällen pro Jahr (28.959 Männer und 11.682 Frauen im Jahr 2005) ist das Bronchialkarzinom die vierthäufigste Todesursache in Deutschland. Bundesweit erkranken jährlich etwa 33.000 Menschen neu an Lungenkrebs, die meisten Patienten sind zwischen 50 und 70 Jahre alt. Am häufigsten treten nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome auf, die relativ langsam wachsen, nur selten Beschwerden verursachen und daher meist erst spät entdeckt werden. (AP)