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Neue Studie für Deutschland: 

Jeder Zwölfte ist kaufsuchtgefährdet

18. Jul 2008 20:07
Schnäppchenjagd als Sucht
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Haben Sie schon mal einen MP3-Player gekauft, obwohl Sie schon einen besitzen? Oder aus Beziehungsstress Schuhe erworben? Ja? Das muss noch nichts heißen – aber Shoppen kann schnell zur Sucht werden.

Jeder zwölfte Erwachsene in Deutschland ist nach Angaben von Experten kaufsuchtgefährdet. Sie haben die Kontrolle über ihre Konsumausgaben und ihr Kaufverhalten verloren, wie die Techniker Krankenkasse (TK) am Freitag in Hannover mitteilte.

Betroffenen und Angehörigen rät die Kasse, sich an eine Beratungsstelle, Selbsthilfegruppe oder einen Facharzt zu wenden. Durch eine Psychotherapie könne frühzeitig geholfen werden. Die Sucht zerstöre sonst wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenzen.

Nach einer Untersuchung von Suchtexperten waren 2001 fast acht Prozent der Erwachsenen in Westdeutschland und sieben Prozent der Menschen in Ostdeutschland kaufsuchtgefährdet, wie Professor Gerhard Raab von der Forschungsgruppe Kaufsucht der Fachhochschule Ludwigshafen der TK sagte.

Klare Kriterien

Zehn Jahre zuvor, 1991 und damit bald nach der Wende, hatte es noch deutliche Unterschiede zwischen neuen (ein Prozent) und alten (fünf Prozent) Bundesländern gegeben. Auch in anderen Staaten deuteten Untersuchungen darauf hin, dass zunehmend mehr Menschen von krankhaftem Kaufverhalten betroffen seien.

Von Kaufsucht (Oniomanie) spricht man nach Angaben von Raab dann, wenn klare Kriterien erfüllt sind, die auch bei anderen stoffungebundenen Suchtformen wie Spielsucht oder Kleptomanie vorliegen.

Danach muss es einen unwiderstehlichen Drang zum Kaufen geben. Der Betroffene kann sein Kaufverhalten nicht kontrollieren. Außerdem muss die «Dosis» gesteigert, also immer mehr und immer häufiger gekauft werden. Schließlich gibt es Entzugserscheinungen, wenn der Betroffene am Kaufen gehindert wird.

Konsum als «Sinnstifter» überbetont

«Ein gelegentlicher Frustkauf oder die ab und zu auftretende Situation, dass man Produkte kauft, die man eigentlich nicht braucht oder nicht nutzt, hat noch nichts mit Kaufsucht zu tun», betonte der Professor. Eine der in Untersuchungen festgestellten Ursachen für die Kaufsucht ist laut Raab eine Überbetonung des Konsums als «Sinnstifter» in Familie und Gesellschaft.

Zudem würden andere Abhängigkeiten und Suchtmittel wie Alkohol oder Nikotin zunehmend reglementiert. Mögliche neurologische Ursachen, die derzeit noch nicht erforscht sind, will Raabs Forschungsgruppe gemeinsam mit der Universitätsklinik Bonn untersuchen.

Als Erste-Hilfe-Strategien rät die TK Betroffenen, ehrlich zu sich selbst zu sein, das Problem zu erkennen und mit einer Vertrauensperson darüber zu sprechen. Dann sollten möglichst alle Kreditkarten zurückgegeben werden. Man sollte nur noch mit Bargeld bezahlen und mit einem festgesetzten Betrag pro Woche auskommen. Bestellungen im Internet oder Katalog sollten unterbleiben. Schließlich sollte man den gesamten Bestand an Kleidungs- und Wohnungsinventar erfassen und die Liste ständig bei sich tragen. (AP)

 
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