Archäologen-Glück in Deutschland:
Hobby-Gräber entdeckt Urmenschen-Knochen
17.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schon vor ein paar Jahren sorgte Frangenberg für Aufsehen, als er die Schädelteile dreier Neandertaler entdeckte. Den jüngsten Fund - ein Schläfenbein und das Stück eines Scheitelbeins - ordnet Czarnetzki dem Pithecanthropus erectus zu.
Die Übereinstimmung mit asiatischen Funden, vor allem aus Indonesien, sei frappierend, fast könnten es Zwillinge sein, berichtet der Anthropologe. Dies lege nahe, dass Europa von Asien aus besiedelt wurde. «Die Theorie, Afrika sei die Wiege der Menschheit, wird von immer mehr Fachleuten infrage gestellt», erklärt Czarnetzki. Seine Untersuchung der Schädelteile von Sarstedt wird demnächst im renommierten Fachblatt «Journal of Human Evolution» veröffentlicht.
Der pensionierte Kunsthändler aus Hannover ist mittlerweile ein Urgeschichts-Experte. «Mich interessiert die Entstehung des Menschen weltweit», sagt Frangenberg. Das Engagement einiger Sammler, die in der Kiesgrube stöbern und mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammenarbeiten, sei sehr verdienstvoll, betont Steinzeit-Archäologe Utz Böhner. Unzählige Faustkeile, Mammut- und Wollnashornknochen sowie ein Unterkiefer eines Flusspferdes traten im Leinetal zutage. Außerdem brachten die Bagger bei der Kiesgewinnung ein seltenes «Choppingtool», ein zweiseitig bearbeitetes Steinwerkzeug, an die Oberfläche, das aus der frühesten Besiedlung stammt. Wahrscheinlich nutzten die Urmenschen die aufgeheizten Kiesbänke als Ausgangspunkt für die Jagd in der eiszeitlichen Steppe, vermutet Böhner.
Ein dreijähriges Forschungsprojekt soll von 2009 an die Landschaft des Leinetals im Eiszeitalter rekonstruieren und Auskunft über das Alter der Bodenschichten geben. Dazu planen Geologen von der Universität Hannover unter der Leitung von Prof. Jutta Winsemann eine Kernbohrung. Sie erhoffen sich, das Alter von lichtabgeschlossenen Sandablagerungen mit Hilfe neuer Methoden genau zu bestimmen.
«Nach meinen Neandertaler-Funden hätte man an der Kiesgrube eine Würstchenbude aufstellen können, so viele Neugierige kamen», erzählt Hobby-Sammler Frangenberg. Die meisten hätten inzwischen wieder aufgegeben. Frangenberg macht weiter. Er möchte seinen bescheidenen Beitrag leisten, um das Puzzle Menschwerdung zusammenzusetzen. «Woher kommen wir? Das ist doch eine der faszinierendsten Fragen!» (Christina Sticht, dpa)

