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Archäologen-Glück in Deutschland: 

Hobby-Gräber entdeckt Urmenschen-Knochen

17. Jul 2008 17:27
Hobby-Archäologe Karl-Werner Frangenberg und seine Frau Ortrud
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Eine wissenschaftliche Sensation scheint perfekt: Ein Wissenschaftler schätzt das Alter er beiden gefundenen Schädelfragmente auf «mindestens 700.000 Jahre».

Ist es der älteste in Deutschland? Seit fast zwei Jahrzehnten stochert Hobby- Archäologe Karl-Werner Frangenberg jeden Samstag in einer Kiesgrube nahe des niedersächsischen Sarstedt herum. Meist geht er mit leeren Händen nach Hause. Doch jetzt scheint eine wissenschaftliche Sensation perfekt: Frangenberg und seine Frau haben im Leinetal womöglich die bislang ältesten Urmenschen-Knochen in Deutschland entdeckt. Der Tübinger Anthropologe Prof. Alfred Czarnetzki bestimmte das Alter der beiden gefundenen Schädelfragmente auf «mindestens 700.000 Jahre». Die Datierung von mehreren 100.000 Jahren alten Fossilien gilt in der Fachwelt allerdings als unsicher.

Rekordhalter als ältester Menschenfund in Deutschland ist bislang der 1907 entdeckte Unterkiefer von Mauer. Aufgrund seines Entdeckungsorts bei Heidelberg wurde der 600.000 Jahre alte Urmensch, von dem der Kiefer stammte, Homo heidelbergensis genannt.

Schon vor ein paar Jahren sorgte Frangenberg für Aufsehen, als er die Schädelteile dreier Neandertaler entdeckte. Den jüngsten Fund - ein Schläfenbein und das Stück eines Scheitelbeins - ordnet Czarnetzki dem Pithecanthropus erectus zu.

Die Übereinstimmung mit asiatischen Funden, vor allem aus Indonesien, sei frappierend, fast könnten es Zwillinge sein, berichtet der Anthropologe. Dies lege nahe, dass Europa von Asien aus besiedelt wurde. «Die Theorie, Afrika sei die Wiege der Menschheit, wird von immer mehr Fachleuten infrage gestellt», erklärt Czarnetzki. Seine Untersuchung der Schädelteile von Sarstedt wird demnächst im renommierten Fachblatt «Journal of Human Evolution» veröffentlicht.

Urgeschichts-Experte

Ein Auszug erschien bereits im Katalog zur viel beachteten Ausstellung «Die Schöninger Speere - Mensch und Jagd vor 400.000 Jahren», die noch bis zum 27. Juli im Landesmuseum Hannover zu sehen ist. In der Schau werden auch die für Laien äußerlich eher unspektakulären Schädelteile präsentiert. Für Fossilienjäger Frangenberg sind sie von unschätzbarem Wert. Er bezeichnet den 13. Juli 2002, als er das erste Stück entdeckte, als Glückstag: «Erst fanden wir in der Nähe des Flusses viel tertiäres Holz und Bernstein. Da wussten wir: Jetzt sind wir in sehr alten Schichten.» Beim Anblick des Knochens sei ihm sofort klar gewesen: «Das ist Mensch.»

Der pensionierte Kunsthändler aus Hannover ist mittlerweile ein Urgeschichts-Experte. «Mich interessiert die Entstehung des Menschen weltweit», sagt Frangenberg. Das Engagement einiger Sammler, die in der Kiesgrube stöbern und mit dem Landesamt für Denkmalpflege zusammenarbeiten, sei sehr verdienstvoll, betont Steinzeit-Archäologe Utz Böhner. Unzählige Faustkeile, Mammut- und Wollnashornknochen sowie ein Unterkiefer eines Flusspferdes traten im Leinetal zutage. Außerdem brachten die Bagger bei der Kiesgewinnung ein seltenes «Choppingtool», ein zweiseitig bearbeitetes Steinwerkzeug, an die Oberfläche, das aus der frühesten Besiedlung stammt. Wahrscheinlich nutzten die Urmenschen die aufgeheizten Kiesbänke als Ausgangspunkt für die Jagd in der eiszeitlichen Steppe, vermutet Böhner.

Ein dreijähriges Forschungsprojekt soll von 2009 an die Landschaft des Leinetals im Eiszeitalter rekonstruieren und Auskunft über das Alter der Bodenschichten geben. Dazu planen Geologen von der Universität Hannover unter der Leitung von Prof. Jutta Winsemann eine Kernbohrung. Sie erhoffen sich, das Alter von lichtabgeschlossenen Sandablagerungen mit Hilfe neuer Methoden genau zu bestimmen.

«Nach meinen Neandertaler-Funden hätte man an der Kiesgrube eine Würstchenbude aufstellen können, so viele Neugierige kamen», erzählt Hobby-Sammler Frangenberg. Die meisten hätten inzwischen wieder aufgegeben. Frangenberg macht weiter. Er möchte seinen bescheidenen Beitrag leisten, um das Puzzle Menschwerdung zusammenzusetzen. «Woher kommen wir? Das ist doch eine der faszinierendsten Fragen!» (Christina Sticht, dpa)

 
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