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Nasa-Sorgen: 

Die Angst vor dem Chinesen auf dem Mond

15. Jul 2008 13:11
Liveübertragung der ersten chinesischen Mondmission im Staatsfernsehen
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Die USA schöpfen viel Selbstbewusstsein aus ihrer Vormachtstellung im All. Diese scheint allerdings gerade so ins Wanken zu geraten, dass die US-Weltraumbehörde Nasa mit rhetorischen Tricks den Kongress zu mehr Geld bewegen will.

Im Jahre 2020 sollen US-Astronauten wieder auf dem Mond landen. Das zumindest sehen die ehrgeizigen Visionen des scheidenden US-Präsidenten George W. Bush vor. Doch die Pläne scheinen auch mit Blick auf den noch lange nicht fertigen Raumtransporter Orion und einen möglichen Machtwechsel im Weißen Haus sehr ambitioniert.

Den Verantwortlichen der Nasa selbst erscheint das Mondziel so ehrgeizig, dass man lieber einen anderen in die Rolle des Favoriten schiebt. Nasa-Chef Michael Griffin sagte in einem Interview mit der britischen BBC, dass China die technologischen Möglichkeiten habe, innerhalb der nächsten zehn Jahre zum Mond zu fliegen. «Sicherlich ist es möglich, das China Menschen auf den Mond schicken könnte, auch vor den Vereinigten Staaten», sagte er dem Onlinedienst der BBC.

Indes scheint den Chinesen diese Favoritenrolle gar nicht recht zu sein. Chinesische Offizielle sagten der BBC, es bestünden keine Pläne für einen Flug zum Erdtrabanten, und man bezweifle, dass dies vor 2020 möglich sein würde. Der Chef der chinesischen Raumfahrtagentur CNSA, Sun Laiyan, hatte allerdings bereits im vergangenen Jahr angedeutet, dass «eine eventuelle Exkursion zum Mond nicht vermeidbar» sei.

Per Anhalter ins All

Die Vormachtstellung im All war für die USA schon immer eine der wichtigsten nationalen Fragen, aus der auch eine Menge Selbstbewusstsein geschöpft wird. So wollte sich Nasa-Chef Griffin auch nicht äußern, ob es denn überhaupt eine Bedeutung habe, wer als Nächster den Mond erreiche.

In der Tat steht die Nasa, die Ende des Monats ihren 50. Geburtstag feiert, vor einer schwierigen Situation: Mit Einstellung der Shuttleflüge im Jahr 2010 und der Fertigstellung des Raumtransporters Orion samt Startrakete Ares im Jahr 2015 entsteht für die US-Amerikaner eine Lücke von fünf Jahren, in denen Russen und Europäer das Monopol auf Weltraumtransporte haben werden. US-Astronauten müssen teuer bei den Russen mitfliegen. Bei der europäischen Weltraumagentur Esa plant man zudem, den gerade erst erfolgreich gestesteten Transporter ATV zum bemannten Raumschiff aufzubohren, um unabhängiger von der Nasa zu sein.

Indien plant Mondmission

Auch die Chinesen treiben ihr Raumprogramm im Rekordtempo nach vorn. In den vergangenen fünf Jahren sind von China aus bereits zwei bemannte Allflüge unternommen worden. Der nächste soll im Oktober folgen. Seit Oktober kreist die chinesische Mondsonde «Chang'e 1» im All und im Jahr 2017 soll eine unbemannte Landung auf dem Trabanten folgen. Von Indien aus wird noch in diesem Jahr eine Mondsonde starten. Bemannte Missionen sind ebenfalls geplant. Vorsichtige Visonen der Esa und des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums DLR sehen Europäer im Jahr 2018 auf dem Erdtrabanten landen.

Nun will die Nasa mit den Chinesen kooperieren. Es gebe erste Versuche einer Zusammenarbeit auf wissenschaftlicher Ebene, sagte Griffin. «Wir tun besser daran, Gebiete zu finden, auf denen wir kooperieren können, als die Auseinandersetzung zu suchen», ergänzte er und verwies darauf, dass es ja auch mit den Russen bereits im Jahr 1975, als mitten in der Hochphase des Kalten Krieges eine Kooperation gegeben habe.

Vielleicht ist diese ganze Rhetorik um Mondmissionen und Chinesen auch einfach nur ein kleiner Wink im Wahlkampf für die Politiker im eigenen Lande, denn die Nasa hätte gern mehr Geld um die Lücke zwischen Shuttle-Ende und Orion-Start zu verkleinern. Griffins Bitte um zwei Milliarden Dollar extra, damit der bemannte Raumflug bereits 2013 wieder aufgenommen werden kann, hatte der Kongress im vergangenen Jahr abgelehnt. Wie ein neuer Kongress und US-Präsident entscheiden wird, ist offen. Aber selbst wenn dann zusätzlichen Mittel bereitgestellt würden, könnte der erste bemannter Raumflug nicht vor 2014 stattfinden, klagt der Nasa-Chef. (nz)

 
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