08. Jul 2008 10:40
Die therapeutischen Chancen aus der Kartierung des menschlichen Erbgutes sind noch kaum abzuschätzen. Mit Wikipedia kann jetzt aber jeder zum Gen-Forscher werden.
gesammelt. Nach kritischer Prüfung durch Fachleute werden dort zum Beispiel Angaben zum Aufbau eines bestimmten Gens, seiner Funktion oder seinem Zusammenspiel mit anderen Genen eingetragen eben alle Informationen, die bisher über das Gen vorhanden sind. Anders als bei diesem Ansatz, bei dem eine kleine Gruppe von Menschen den Großteil der Informationen liefere, soll in dem Gen-Wiki nun eine Große Gruppe von Nutzern ständig kleinere Beiträge liefern, schreiben die US-Forscher um Andrew Su vom Genomics Institute of the Novartis Research Foundation. Die Wissenschaftler haben dazu zunächst eine Software entwickelt, die automatisch alle bisher in Datenbanken vorhandenen Informationen zu den einzelnen Genen des Menschen sammelt. Diese werden dann nach festgelegtem Muster in einer Art Notizzettel gebündelt. Dort findet sich etwa eine kurze schriftliche Zusammenfassung über das Gen, zudem alle Symbole und Parallelbezeichnungen, die Abfolge der einzelnen Genbausteine oder seine Position auf dem Chromosom. Per Link wird der Eintrag mit der ursprünglichen Datenbank verknüpft, eine umfassende Literatursammlung verweist auf weiterführende Texte. Dieser grundlegende Notizzettel kann nun von allen Wikipedia-Nutzern ergänzt werden.
Bis Februar dieses Jahres wurden 7500 neue Gen-Einträge geschaffen, berichten die Forscher um Su. 650 bereits vorhandene Wikipedia-Seiten zu bestimmten Genen wurden an das Notizzettel-Format angepasst. Seit Einführung der neuen Einträge habe sich die Aktivität der Nutzer bei den Kommentierungen etwa verdoppelt. Da die Seiten erst kurze Zeit existierten und öffentlich bisher kaum bekannt seien, rechnen die Initiatoren mit einem raschen weiteren Anstieg der Nutzerzahlen und einer zunehmenden Kommentierung der Einträge. Zweifel hinsichtlich der Vollständigkeit und Genauigkeit der Einträge haben die Initiatoren nicht. Die bisherigen Erfahrungen mit der Online-Enzyklopädie zeigten, dass die gegenseitige Kontrolle der Nutzer funktioniere und falsche oder missverständliche Einträge schnell korrigiert würden. Das Gen-Wiki werde die herkömmlichen Datenbanken aber nicht ersetzen und soll auch nicht als Referenz in Forschungsarbeiten dienen. (dpa)