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Tagesthema Homöopathie: 

Kügelchen für Kälber

02. Jul 2008 15:57
Patient Milchkuh
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Haustiere sind beim Heilparaktiker in Behandlung. Aber auch Nutztiere werden zunehmend mit homöopathischen Mitteln behandelt. Die Europäische Union fordert von bestimmten Betrieben die Anwendung alternativer Heilmethoden, weiß Patrick Loewenstein.

Europäische Bauern setzen zunehmend auf Homöopathie. Die EU-Ökoverordnung schreibt diese Form der Therapie in bestimmten Situationen sogar vor - und steht damit den Interessen der Pharma-Lobby entgegen.

Der Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin hat in den letzten Jahren drei Studien an Rindern durchgeführt, die alle keinen positiven Effekt der Homöopathie nachweisen konnten. Damit bestätigen die Berliner Forscher auch die Ergebnisse der Studienlandschaft weltweit.

Erfahrungsberichte statt Studien

Es gibt aber viele positive Befunde zur Wirkung homöopathischer Behandlungen. Diese Befunde basieren nicht auf naturwissenschaftlichen Methoden, sondern ausschließlich auf «Erfahrungsberichten». In der Hierarchie der Evidenzen (definierten Qualitätskriterien) ist die Wertigkeit eines Erfahrungsberichtes sehr gering. Trotzdem wenden bereits die Hälfte aller Tierärzte nach Angaben der Deutschen-Homöopathie-Union (DHU) homöopathische Behandlungsmethoden an. Ein Hauptgrund dafür ist die gestiegene Nachfrage nach alternativen Heilmethoden und eben Erfahrungsberichte anderer Tiermediziner.

Vor dem Hintergrund dieser breiten Anwendung fordert der Berliner Veterinärmediziner Sebastian Arlt, junge Akademiker mit dem aktuellen Wissensstand zum Thema Alternativmedizin vertraut zu machen. Die Tierklinik für Fortpflanzung des Fachbereichs Veterinärmedizin der FU-Berlin ist laut Arlt die einzige Universität im deutschsprachigen Raum, die ihren Studenten Wahlpflichtkurse zu den Bereichen biologische Medizin, Akupunktur und Homöopathie an.

EU-Verordnung als Motor

Auch die Ökoverordnung der EU macht die Homöopathie nach der Novelle von 1999 zu einem wichtigen Faktor in der Viehzucht. Sie fordert für alle Tiere (oder Tierprodukte) die das Siegel «ökologisch» oder «biologisch» tragen, dass diese «vorrangig mit alternativ-medizinischen Mitteln» behandelt werden. Allerdings nur, «wenn diese (Methoden) wirksam sind.»

Teure Wartezeiten

Wird einem Tier eine Medikation verabreicht, unterliegt es einer «Wartezeit». Weder das Tier selbst, noch seine Produkte dürfen während dieser Zeit in den Handel gelangen.
Vor dem Hintergrund der «Wartezeiten» bei der Anwendung herkömmlicher Antibiotika, spielt die Alternativmedizin für Betriebe, die nicht biologisch oder ökologisch wirtschaften, eine immer größere Rolle. Laut einer Umfrage der FH Osnabrück haben bereits 30 Prozent aller konventionellen Betriebe Homöopathie angewandt. Allerdings aus rein ökonomischen Interessen. Die Milch einer Kuh darf nach einer Behandlung mit Antibiotika eine Woche lang nicht in den Handel gelangen. Der Verdienstausfall dadurch ist für einen konventionellen Michbauern enorm. Allein in Deutschland gehen den Michbauern durch Antibiotikaanwendungen mehrere Hundert Millionen Euro verloren. Die Behandlung mit den meisten homöopathischen Mitteln hingegen zieht keine Wartezeit nach sich.

Bisher ist der Verkauf von Antibiotika ein gutes Geschäft für die Pharma-Firmen: 2000 Tonnen werden in Deutschland jährlich an Nutztiere verfüttert – ein großer Teil davon als Prophylaxe. Die zunehmenden Resistenzen der Tiere werden dabei von den Bauern meist ignoriert. Die EU-Verordnung soll die Bauern zum Umdenken zwingen und bekämpft mit ihrer Empfehlung alternativer Heilmethoden den Irrsinn der indikationslosen Antibiotikagaben.

 
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