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Archäologie 2.0: 

Troja-Forschung demnächst Open Access

29. Jun 2008 09:59
Ausgrabungen bei Troja
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Im September soll zum letzten Mal der Spaten in den geschichtsträchtigen Boden von Troja getrieben werden. Denn das Graben hält die Forscher von ihrer eigentlichen Arbeit ab.

«Troja war der Schlüsselort für die Datierung der mitteleuropäischen Vorgeschichte.» Ernst Pernicka wählt seine Worte mit Bedacht, denn den Archäologen an der wohl berühmtesten Grabungsstätte der Welt geht so langsam das Geld aus. Und so läutet der 58-jährige Professor in Tübingen die letzte Grabungskampagne ein mit dem Ziel, endlich Klarheit über die Größe der antiken Stadt im Westen der Türkei zu bekommen. Zwischen 70.000 und 80.000 Euro kostet eine Kampagne und die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft endet in diesem Jahr.

Pernicka und sein Stellvertreter Peter Jablonka wissen aber auch, das mit dem Durchwühlen der Erde die auf Neuigkeiten wartende Öffentlichkeit auf Dauer nicht zufriedenzustellen ist: «Wer in Troja gräbt, dem schaut ständig jemand erwartungsvoll über die Schulter.» Deshalb wollen die Forscher ihren Schwerpunkt verlagern. Im September soll zum letzten Mal der Spaten in den geschichtsträchtigen Boden getrieben werden und dann wollen die Wissenschaftler die Auswertung der zahllosen Funde verstärken.

«Durch das ständige Graben werden wir von einem Teil unserer eigentlichen Arbeit abgehalten», erläutert Jablonka. Schließlich müsse beschrieben und analysiert werden, was hunderte Forscher aus aller Welt seit 1988 ans Licht befördert haben. Dabei sind die Troja- Ausgräber mit ihren jährlichen Berichten sogar vorbildlich. «Es gibt Ausgrabungen, bei denen Jahrzehnte später noch nichts veröffentlicht ist» weiß Jablonka.

Mythos Troja

Dem setzen er und seine Kollegen einen neuen Trend entgegen: Open- Access-Forschung. Die Öffentlichkeit und die wissenschaftliche Welt sollen Ergebnisse möglichst frühzeitig erfahren. Pläne, Zeichnungen, Geländeschnitte, Fotografien, Stoffanalysen und Epochenbestimmungen werden nicht mehr nur auf Papier in schwergewichtigen Bänden dokumentiert, sondern gleich ins Internet gestellt, um anderen Wissenschaftlern die Arbeit zu erleichtern.

Unterstützung für die weitere Auswertung erhoffen sich Pernicka und Jablonka durch ein Museum in Troja selbst, das zwar schon seit Jahren immer wieder von hohen türkischen Politikern angekündigt wird, dessen Bau aber noch in den Sternen steht. Dem auf zehn Millionen Euro geschätzten Projekt könnte eine Forschungsstation angegliedert werden, die die Funde an Ort und Stelle auswertet. Zudem wäre das Museum eine gute Möglichkeit, weitere Sponsoren zu gewinnen und das nach wie vor wachsende Interesse am Mythos Troja aufzunehmen. Eintrittsgelder, die bisher beim türkischen Finanzminister landen, könnten möglicherweise helfen, die Forschung zu finanzieren.

Geschmeide der Homerer

Und Pernicka hält geschickt die Faszination wach, die schon seit Generationen von Homers Epen «Ilias» und «Odysee» ausgeht: «Wir haben noch immer keine Gräberfelder gefunden, obwohl es sie bei einer Siedlung dieser Größe gegeben haben muss», erklärt der Forscher und fügt listig hinzu: «Auch der Kontext von Schliemanns Funden ist noch nicht geklärt.»

Gemeint ist der Goldschmuck, den der deutsche Geschäftsmann und Archäologe Heinrich Schliemann Anfang des 19. Jahrhunderts in Troja entdeckte und der unter dem Namen «Schatz des Priamos» zur Legende wurde. Dass es sich tatsächlich um Geschmeide des Homerschen Troja- Herrschers Priamos handelt, glaubt zwar niemand, aber eine Bestimmung der Herkunft des Goldes würde die Wissenschaft weiterbringen und möglicherweise der These vom florierenden internationalen Handelsplatz neuen Auftrieb geben.

Doch dem Archäologen mit dem Spezialgebiet Metallurgie ist es noch nicht gelungen, an die im Moskauer Puschkin-Museum lagernden Schmuckstücke heranzukommen, um sie zu untersuchen. (Edgar Neumann, dpa)

 
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