Legale Leistungssteigerung: 

netzeitung.deGefühltes Doping

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Besser mit Placebos dopen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Besser mit Placebos dopen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Um eine künstliche Leistungssteigerung durch Dopingmittel zu erreichen, bedarf es nicht einmal des Dopingmittels selbst. Allein der Glaube an eine Einnahme reicht aus, wie eine Studie zeigt.

Seit Sport ein Geschäft ist, versuchen Sportler ihre Leistung mit erlaubten oder unerlaubten Mitteln und Techniken zu steigern. Und auch immer mehr Hobbysportler glauben an die Leistungssteigerung in Tablettenform. Wie eine aktuelle Studie nahelegt, braucht es aber gar keinen teuren und riskanten Mittel der Pharmaindustrie, denn auch beim Doping wirkt der Placeboeffekt. Die von der Weltantiodopingagentur Wada und der australischen Antidopingkommission finanzierte Studie ist auf der Jahrestagung der Endocrine Society in San Fransisco vorgestellt worden.

Wissenschaftler des australischen Garvan-Instituts haben 64 jungen Freizeitsportlern im Doppelblindverfahren über den Zeitraum von acht Wochen entweder Wachstumshormone oder ein Placebo verabreicht. Anschließend mussten die Sportler raten, ob sie ein leistungsfördendes Mittel bekommen haben, zudem wurde ihre sportliche Leistungsfähigkeit gestestet.

«Sportler dopen mit Wachstumshormonen, obwohl es keinen Beweis dafür gibt, dass diese Präparate die sportliche Leistungsfähigkeit tatsächlich verbessern», sagt die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Jennifer Hanson. «Wir wollten wissen, ob eine Leistungssteigerung der Athleten weniger auf das Dopingmittel selbst als vielmehr auf den Glauben, ein Dopingmittel genommen zu haben, zurückzuführen ist.»

Von den teilnehmenden Sportler glaubten vor allem Männer, das Wachstumshormon bekommen zu haben. Die Sportler, die ein Placebo schluckten, aber dachten, mit MGH gedopt worden zu sein, gaben durchweg an, dennoch eine Leistungssteigerung gespürt zu haben, und tatsächlich habe sich die Leistung in nahezu allen Bereichen gesteigert, berichten die Autoren. Vor allem der Test der Sprungkraft habe bei den vermeintlich Gedopten signifikante Zuwächse verzeichnet.

Die Autoren schließen daraus, dass bei gedopten Spitzensportlern zumindest in Teilen der Placeboeffekt für eine Leistungssteigerung mitverantwortlich ist. Das Gehirn sei der wichtigste Muskel des Menschen, sagte einst der deutsche Spitzenkletterer Wolfgang Güllich. Und dieser Muskel hilft ganz legal und ohne Risiko, die sportliche Leistung zu steigern. (nz)