Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Energiebilanz der Erzeuger: 

Ein Auslandsapfel muss kein Klimakiller sein

19. Jun 2008 14:26
Beim Pflücken sind die Äpfel noch Klimaneutral
Bild vergrößern
Obst aus Neuseeland eine Umweltsauerei? Nicht unbedingt, behaupten Wissenschaftler. Es komme nicht darauf an, wie viele Kilometer Früchte zurücklegen. Eher darauf, wie groß der Betrieb ist, von dem sie stammen.

Regionale Produkte sind in ihrer Herstellung nicht automatisch energiesparender und damit ökologischer als Importware aus dem Ausland. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Universität Gießen. Der Energieaufwand für Anbau, Ernte und Transport hänge nicht von der Entfernung zum Markt ab, sondern von der Betriebsgröße, argumentieren die Forscher. Produkte aus kleineren Betrieben könnten dabei bis zu fünfmal mehr Energie verbrauchen als solche aus größeren Betrieben.

Studienleiter Elmar Schlich, Professor für Prozesstechnik an der Uni Gießen, untersuchte für seine Studie Tafeläpfel in den deutschen Anbauregionen Bodensee, Rheinhessen und Niederelbe. Dabei zeigte sich, dass vor allem der Transport der Äpfel in kleineren Betrieben aufwendiger ist, weil die Fahrzeuge kleiner sind. Zudem verfügten kleinere Betriebe nicht über eigene Kühlhäuser, so dass die Ware in externe Kühlhäuser transportiert werden müsse.

Äpfel mit globaler Herkunft

Bei Betrieben mit einer Jahresproduktion von mehr als 1.000 Tonnen Tafeläpfeln beträgt demnach der Energieaufwand nur 0,1 Kilowattstunden pro Kilogramm, wobei 40 Gramm Kohlendioxid pro Kilo freigesetzt werden. Betriebe, die weniger als 200 Tonnen Äpfel erzeugen, verbrauchen dagegen bis zu 0,5 Kilowattstunden pro Kilo und erzeugen dabei bis zu 200 Gramm CO2 pro Kilo.

Regionale Klein- und Kleinstbetriebe könnten energetisch bei weitem nicht mit größeren Betrieben konkurrieren, erklärte Schlich. Nur bei einer ausreichenden Betriebsgröße könne im Apfelanbau zu Recht von regionalen Lebensmitteln mit hoher ökologischer Qualität gesprochen werden. «Insoweit gibt es keinen Grund, Äpfel globaler Herkunft wegen des angeblich so verschwenderischen Umgangs mit Energie oder wegen der vermuteten Klimaschädlichkeit anzuprangern», sagte Schlich.

Die Forschungsergebnisse stellten somit die landläufige Meinung infrage, dass regionale Lebensmittel wegen der kurzen Wege grundsätzlich weniger Energie erforderten als Lebensmittel globaler Herkunft, hieß es in der Mitteilung. Die Wissenschaftler empfehlen kleineren Betrieben in der Region, Kooperativen und Genossenschaften zu bilden, um eine ausreichende Betriebsgröße zu erreichen. (AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Weltraumteleskop «Fermi»: 
Bilder kosmischer Katatrophen
Neue Berechnungen von Astronomen: 
Sterne entstehen neben Schwarzen Löchern
 
20-Millionen-Euro-Projekt: 
Kohlendioxid wird unter die Erde gekehrt
 
Neuentwicklung aus den USA: 
Mit der Zunge elektronische Geräte steuern
Fit im Alter: 
Der Demenz davonlaufen
 
Freiheit gegen D-Mark: 
DDR-Unterhändler Vogel ist tot
Erinnerungen einer Zeitzeugin: 
«Du auch!» – Das Ende des Prager Frühlings
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.