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Vor senegalesischer Küste : 

Mysteriöser Massenexodus der Wale

22. Mai 2008 15:49
Angeschwemmte Wale, ein Rätsel für die Wissenschaft
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Klimawandel, kalte Strömungen, hohe Sonnenaktivität oder der Lärm in den Meeren – wer ist verantwortlich für das Walsterben, der Mensch oder die Natur? Mit Video

An der senegalesischen Küste sind nach Angaben von Tierschützern Dutzende Wale verendet. Etwa 100 Tiere näherten sich am Dienstagabend dem Strand vor der Hauptstadt Dakar, und bis Mittwoch wurden mindestens 38 Kadaver gezählt, wie der Worldwide Fund for Nature (WWF) berichtete.

Rund 60 der Meeressäuger konnten zurück ins Wasser gebracht werden, darunter ein weibliches Tier, das gerade ein Junges zur Welt gebracht hatte. Kinder liefen ins Meer, um weitere Wale vom Strand fernzuhalten. Warum sich die Tiere Richtung Land verirrten, war zunächst nicht klar.

Desorientierung wegen Lärm..

Der mysteriöse Massenexodus ist ein Phänomen, das bis heute nicht geklärt ist. Doch es gibt verschiedene mögliche Ursachen, die diskutiert werden. Der WWF vermutet, dass der Mensch für die meisten Strandungen verantwortlich ist. Schon seit Jahrhunderten verirren sich Pottwale beispielsweise in der Nordsee. Im Winter 1997/98 strandeten gleich 20 dieser Riesen, ein trauriger Rekord. Denn einmal im flachen Wasser auf Grund gelaufen, schaffen sie aus eigener Kraft nicht mehr den Weg zurück ins offene Meer. Sie werden von ihrem Körpergewicht von bis zu 50 Tonnen erdrückt.

Wie der WWF vermutet, scheint der zunehmende Lärm in den Meeren die Wale immer häufiger zu desorientieren. Sie 'verschwimmen' sich auf ihren uralten Routen und landen in der für sie tödlichen Falle flacher Gewässer. Wale orientieren sich über ihr Gehör und die Echolotortung der Zahnwale funktioniert im flachen Wasser mit sandig-schlickigem Untergrund schlecht.

..oder hoher Sonneaktivität..

Ein kuriose Erklärung haben zwei Physiker herausgefunden (Dr. Klaus Vanselow und der Geologe Dr. Klaus Ricklefs vom Forschungs- und Technologiezentrum in Büsum): 90 Prozent der Pottwale zwischen 1712 und 2003 strandeten immer dann in der Nordsee, wenn es auf der Sonne heftige Aktivitäten zu verzeichnen gab. Hohe Sonnenaktivität beeinflusst das Magnetfeld der Erde. Daraus zogen sie den Schluss, dass sie damit möglicherweise auch den Orientierungssinn der Wale stört. Sie navigieren mit der mit Magnetkristallen angereicherten Melone im Kopf der Zahnwale. Denn dieses Magnetfeld benötigen die Tiere neben ihrem körpereigenen Sonarsystem zur Navigation als globales Positionierungs-System.

..oder verschiedenen Strömungen..

Die Tierenzyklopädie «Arche Online» hat eine andere Erklärung für die Massenstrandungen der Pottwale im Bereich der Nordsee: «Zu bestimmten Zeiten laufen die Ebbe-Flutwellen parallel zum Golfstrom, die Wale können hier zwischen Golf und Flutstrom nicht unterscheiden und gelangen in die Nordsee. Ziehen sie westlich an der englischen Küste entlang, durchziehen sie unbemerkt die Nordsee. Ziehen sie aber in der östlichen Nordsee, wo Ebbe und Flut laufend wechseln und zu Turbulenzen führen, schwimmen sie orientierungslos hin und her. Laufen bei Ebbe die Priele oder die Flüsse leer, meinen sie, dass dies der richtige Weg ist, schwimmen gegen den Ebbstrom und geraten bald in Untiefen.»

Australische Forscher sagen, dass Klimaschwankungen der Hauptgrund für das Stranden von Walen in Küstengebieten sein könnten. Das schließen sie aus den Ergebnissen einer Studie, in der sie klimatische Faktoren mit der Anzahl gestrandeter Wale an der Küste Australiens in Beziehung setzten. Demnach nimmt die Zahl der gestrandeten Tiere besonders dann zu, wenn starke Winde kaltes Wasser in die Nähe der Küsten treiben. Da im kühleren Wasser mehr Nahrung enthalten ist, folgen die Wale ihrer Beute und geraten so in Gebiete, in denen die Gefahr zu stranden sehr hoch ist.

..oder Sonarsystemen

Dem Vorurteil, dass Wale stranden, weil das Leittier krank ist und den Orientierungssinn verloren hat entgegnet «klimaforschung.net»: «Viele Walarten verwendeten zur Orientierung ein Sonarsystem, mit dem sie hochfrequente Laute im Bereich von 30 bis 120 Kilohertz und einer Intensität von 160 bis 188 Dezibel erzeugen. Diese werden dann von Objekten in der Umgebung zurückgeworfen und liefern so detaillierte Informationen über die Umwelt.»

Daraus würden verschiedene Forderungen erwachsen: Ein Verbot von Frequenzen in den bereichen von 30 bis 120 Kilohertz in den Gebieten, wo sich Wale aufhalten. Das Verbot des LFAS-Sonars, das bei Marineschiffen verwendet wird, denn es erzeugt Blutungen im Innenohr und im Hirnbereich nicht nur bei Walen. (AP/nz)

Pilotwale vor Gomera

 
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