23.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Alles Gute!
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Gut ein Jahr hat er die Erde von außen betrachtet und sich auch dabei gefilmt. Nun sucht er die Raumfahrer von morgen aus: Thomas Reiter. Der Strahlemann unter den deutschen Astronauten wird 50. Mit Video
Thomas Reiter ist der Star unter den deutschen Astronauten. Er verließ als erster Deutscher im All ein Raumschiff für Außenbordeinsätze und ist einer der wenigen Astronauten weltweit, die insgesamt rund ein Jahr im Weltraum waren. Jetzt sucht Reiter gemeinsam mit der ESA die Astronauten von morgen. «Es ist an der Zeit, Nachwuchs für neue Aufgaben zu rekrutieren», sagte der smarte Diplomingenieur kürzlich bei der Präsentation der Ausschreibung in Köln.
Am Freitag feiert er seinen 50. Geburtstag. Der 1958 in Frankfurt am Main geborene Reiter hat einen ganz konkreten Wunsch: «Ich hoffe, es noch erleben zu können, dass eine Deutsche oder ein Deutscher auf der Oberfläche des Mondes steht», sagte er kürzlich in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. «Meine Vision ist, dass wir uns stärker bei der bemannten Exploration des Mondes beteiligen, um dabei zu sein, wenn es denn tatsächlich einmal über den Mond hinausgeht.»
Der Weltraum zog Reiter früh in seinen Bann: Als Elfjähriger erlebte er die erste Mondlandung im Fernsehen mit. Sein eigener Weg ins All sei lang gewesen, sagte Reiter. Von der Idee bis zum ersten Raumflug 1995 habe es etwa neun Jahre gedauert. Davor standen Bewerbungsverfahren und Training.
Ausbildung bei der LuftwaffeNach seinem Abitur 1977 ging Reiter zunächst zur Luftwaffe, wo er Luft- und Raumfahrttechnik studierte. Anschließend machte er in den USA die Ausbildung zum Jet-Piloten, sammelte in Deutschland und England Flugerfahrung und wurde Testpilot erster Klasse. Reiter kann über 2000 Flugstunden auf mehr als 15 verschiedenen Kampfflugzeugen vorweisen. Parallel dazu arbeitete er für die Europäische Weltraumagentur Esa an der Entwicklung des bemannten Raumfahrzeuges «Hermes» mit - das Projekt wurde nie realisiert.
1992 kam Reiter seinem Traum von den Sternen den entscheidenden Schritt näher: Er wurde in das Astronautenkorps der Esa berufen. Nach der Grundausbildung wurde er für das europäisch-russische Gemeinschaftsprojekt Euromir 95 ausgewählt. Im russischen Kosmonautenausbildungszentrum bei Moskau, dem sogenannten Sternenstädtchen, lernte er in der Folgezeit alles, was er als Bordingenieur auf der Raumstation Mir können musste. Am 3. September 1995 war es dann endlich soweit - zusammen mit zwei russischen Kollegen startete Reiter zur Mir. Dies war mit 179 Tagen im All die bis dahin längste bemannte Weltraummission der Esa. Reiter verließ das Raumschiff gleich zwei Mal zu Außenbordeinsätzen.
Nach seiner vorübergehenden Abkommandierung zur Deutschen Luftwaffe kehrte er 1999 zur Esa zurück und trainierte fortan für die Arbeit in den russischen Segmenten der Internationalen Raumstation ISS. Von 2001 an arbeitete Reiter im «Columbus»-Projektteam an der Vorbereitung des europäischen Forschungsmoduls und später am Automatischen Transferfahrzeug (ATV) mit, das den Europäern erstmals einen eigenständigen Zugang zur ISS verschafft.
2006 zum zweiten Mal im AllAm 4. Juli 2006 flog Reiter ein zweites Mal ins All, diesmal für knapp ein halbes Jahr. Während der Astrolab-Mission, der ersten europäischen Langzeitmission an Bord der ISS, führte er ein volles Versuchsprogramm und seinen dritten Außenbordeinsatz durch. Außerdem brach er den Aufenthaltsrekord eines westeuropäischen Astronauten im All, den bis dahin der Franzose Jean-Pierre Haigneré mit 209 Tagen gehalten hatte. Mit dem Ende der Mission am 22. Dezember brachte es Reiter auf mehr als 350 Tage. Nach seiner Rückkehr sagte er auf einer Pressekonferenz, es seien vor allem die unvergleichlichen Blicke auf die Erde und die Sterne, die den Reiz des Raumfluges ausmachten: «Das ist eine Sache, die einem unter die Haut geht. Das vergisst man nicht so schnell.»
Der inzwischen grauhaarige Astronaut hat bei weitem noch nicht die Nase voll und würde gerne ein drittes Mal ins All fliegen. Ihm sei aber klar, dass er sich nun hinter einer langen Reihe anderer europäischer Astronauten einreihen müsse, die ebenfalls auf ihren Einsatz warteten.
Seit dem 1. Oktober 2007 sitzt Reiter im Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und ist dort für Raumfahrtforschung und -entwicklung zuständig. Zurzeit engagiert sich der Vater von zwei Söhnen in der Rekrutierung der nächsten europäischen Astronauten-Generation. In seiner Freizeit widmet er sich seinen irdischen Hobbys Kochen, Fechten sowie Badminton und Gitarre spielen. (Nadine Pilz, AP)