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Verbot von Saatgut: 

Behörde reagiert auf rätselhaftes Bienensterben

16. Mai 2008 19:56
Die Landung auf einer Blüte kann dezeit tödlich für eine Biene sein
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Warum so extrem viele Bienen starben, darüber grübelten lange Wissenschaftler und Imker. Nun haben sie eine Erklärung, weshalb ein Bundesamt mit Verboten handeln konnte.

Wegen des dramatischen Bienensterbens im badischen Rheintal lässt das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Zulassung für acht Saatgut-Schutzmittel ruhen. Diese Entscheidung sei nach einer eingehenden Prüfung der Schäden an Honigbienen in Südwestdeutschland gefällt worden, berichtete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am Freitag in Berlin.

Ausschlaggebend für das Verbot waren laut der Behörde jetzt erst bekanntgewordene Probleme bei mit Luftdruck arbeitenden Sämaschinen. Offenbar konnten durch Abrieb giftige Partikel in die Abluft der Sämaschinen geraten und dann mit dem Wind auf benachbarte Raps- und Obstfelder gelangen. Deren Blüten wiederum besuchten die Bienen, wobei sie sich vergifteten - so lautet das derzeitige Erklärungsmuster der Experten.

Keine Gefahr für Verbraucher

Dass vergifteter Honig bis zu den Verbrauchern gelangt, glaubt das BVL nicht. «Ein Rückstand im Honig ist als unwahrscheinlich anzusehen», sagte Karsten Hohgardt, Leiter des Referats Gesundheit beim BVL. Es bestehe weder akut noch chronisch ein Risiko für den Konsumenten.

In den vom Bienensterben betroffenen Gebieten in Baden-Württemberg müsse das Saatgut mit der zweieinhalbfachen Dosis des Wirkstoffs Clothianidin behandelt werden, sagte Forster. Das Mittel Poncho enthalte diese erhöhte Dosis. Es sei zeitweise mit den gleichen Inhaltsstoffen unter dem Namen Poncho Pro vertrieben worden. Nach einer vorläufige Zulassung 2004 habe es 2007 die volle Zulassung erhalten.

Wissenschaftler sind sich sicher

Der Poncho-Hersteller kritisierte die Entscheidung des BVL, das Mittel vorläufig vom Markt zu nehmen. «Anders als das Ministerium sind wir der Ansicht, dass es eine schnelle technische Lösung geben kann, ohne dass es einer Aussetzung der Zulassung bedurft hätte», sagte Utz Klage, Sprecher von Bayer CropScience.

Das Braunschweiger Bundesforschungsinsitut für Kulturpflanzen (Julius-Kühn-Institut, kurz JKI), das Proben von Bienen und Pflanzenmaterial untersucht hatte, teilte am Freitag mit, dass aus den bisherigen Auswertungen eindeutig geschlossen werden könne, dass eine Vergiftung der Bienen durch Abrieb von Clothianidin von Maissaatgut vorliege.

Über das Ausmaß möglicher Schäden machen sich die Imker Gedanken: «Wir wissen nicht, wie der Nektar kontaminiert ist, wir wissen nicht, ob die Waben vergiftet sind, und wir haben keine Ahnung, ob die Holzkästen verseucht sind», sagte Ekkehard Hülsmann, Vorsitzender des Landesverbands Badischer Imker, der AP. Neben dem Mittel Poncho ordnete das BVL auch das Verbot der Saatgutbehandlungsmittel Antarc, Chinook, Cruiser 350 FS, Cruiser OSR, Elado, Faibel und Mesurol flüssig an. Mit der Anordnung sei neben dem Verkauf und der Anwendung auch die Einfuhr der Mittel bis auf weiteres ausgeschlossen. (dpa/AP)

 
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