15. Mai 2008 10:28
Es hat lange gedauert. Nun hat die US-Regierung Eisbären für gefährdet erklärt. Als Grund dafür wird das Schmelzen in der Arktis genannt. Die Ölindustrie befürchtet eine Klagewelle von Umweltschützern.
Die Entscheidung der US-Regierung über die Aufnahme der Eisbären in die nationale Liste der bedrohten Tierarten stand schon seit Monaten aus. Sie sollte ursprünglich bis zum 9. Januar fallen. Wegen der Verzögerung hatten drei Umweltschutzorganisationen gegen die Regierung geklagt. Ein Bundesgericht gab der Klage statt und setzte eine Frist bis zum 15. Mai, nachdem das Innenministerium einen Aufschub bis zum 30. Juni beantragt hatte. Die Regierung wollte noch rechtliche und wissenschaftliche Fragen geklärt wissen. Umweltschützer sprachen von einer Verzögerungstaktik, da die Vergabe von Ölbohrlizenzen in der Tschuktschen-See bevorstehe. Dort lebt eine der beiden Eisbärpopulationen in Alaska. In dem US-Staat werden 15 Prozent des US-Öls gefördert. Entsprechend groß sind die Bedenken der Ölindustrie. Marilyn Crockett, die Chefin der Vereinigung der Öl- und Gasindustrie in Alaska, erklärte, sie befürchte nun zahlreiche Prozesse und Klagen, wenn es um gegenwärtige Produktionsanlagen und geplante Erweiterungen gehe.
Auch eine Klage gegen den Beschluss der Regierung wollte sie nicht ausschließen. Die Grundlage der Entscheidung müsse noch geprüft werden. Bei den Eisbären handele es sich um eine gesunde Population, sagte Crockett. Die eigentliche Gefahr seien jetzt die rechtlichen Auseinandersetzungen, die eine erhebliche Auswirkung auf die ganze Industrie haben könnten. Die Aufnahme der Eisbären in die Liste der bedrohten Tierarten könnte Auswirkungen über Alaska hinaus haben. Kritiker befürchten, dass dann der Bau neuer Kraftwerke und andere Projekte in den USA jeweils auf ihre Auswirkungen auf die Klimaerwärmung in der Arktis überprüft werden müssten. (Steve Quinn, AP)